Antisemitismus die Stirn bieten

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Erinnerungsgang 78 Jahre nach der Pogromnacht 1938

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Antisemitismus hat es immer gegeben, selbst Reformator Martin Luther war Antisemit. Umso wichtiger ist es, dass sich die Menschen antisemitischen Tendenzen und Handlungen entgegenstellen. Der Arbeitskreis „Für Demokratie und Toleranz“ im Präventionsrat Wildeshausen organisiert aus diesem Grund seit Jahren den Erinnerungsgang in Gedenken an die Pogromnacht vom 9 auf den 10. November 1938. „Wir müssen Antisemitismus die Stirn bieten“, betonte Bürgermeister Jens Kuraschinski bei einer kleinen Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen.

Mit einer kleinen Feierstunde auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen wurde an die Opfer des Nationalsozialismus während der Pogromnacht gedacht. Foto: Martin Siemer
Mit einer kleinen Feierstunde auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen wurde an die Opfer des Nationalsozialismus während der Pogromnacht gedacht. Foto: Martin Siemer

Bodo Riethmüller vom Landesverband der jüdischen Gemeinden erinnerte an die Geschehnisse dieser Nacht, in der fast alle Synagogen in Deutschland brannten oder verwüstet wurden. Mehrere Hundert Juden kamen bereits damals um, Millionen weitere sollten in den Konzentrationslagern folgen.
„Herr, vergib ihnen nicht. Sie wussten genau, was sie taten“, zitierte Riethmüller den ehemaligen Berliner Rabbiner Ernst M. Stein.

Der Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof erinnert an die jüdischen Mitbürger, die aus Wildeshausen in die Konzentrationslager deportiert wurden. Foto: Martin Siemer
Der Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof erinnert an die jüdischen Mitbürger, die aus Wildeshausen in die Konzentrationslager deportiert wurden. Foto: Martin Siemer

Anschließend führte der Erinnerungsgang an den Stolpersteinen vorbei, die vor den Wohnungen der damals in Wildeshausen lebenden jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Bürgersteig eingelassen sind. Gut 40 Wildeshauserinnen und Wildeshauser, darunter Abgeordnete des Stadtrates und Schülerinnen und Schüler des zwölftes Jahrgangs des Gymnasium Wildeshausen, nahmen daran teil.
Die Abiturienten trugen vor den jeweiligen Häusern Texte aus dem Leben der Wildeshauser Juden vor, zündeten Teelichter an und legten eine Rose nieder. Auch der Marktplatz, wo der Erinnerungsgang endete, wurde mit Kerzen in ein kleines Lichtermeer verwandelt.

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Kommentare

Kommentar von Gerd Weghorn |

Ich finde diese Gedenkveranstaltung gut, doch finde ich auch, dass man gerade dann nicht lügen soll, wenn es um Fakten geht - hier "bis zu 1700 Juden kamen bereits damals um".
Dass es tatsächlich an die 400 jüdische Mitbürger gewesen sind, verringert doch auch nicht die Schwere dieser nationalsozialistischen Terrortat! Warum also diese Lüge?!

Kommentar von Martin Siemer |

Die im Artikel erwähnte Zahl der jüdischen Opfer wurde während der Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof genannt. Ich habe diese, zugegebener Maßen ungeprüft, übernommen. Ich habe den Artikel jetzt dahingehend überarbeitet, dass eine konkrete Zahl nicht mehr genannt wird. Den Fehler bitte ich zu entschuldigen.

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