„Das Schweigen der Lehrer“

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"Willi wühlt" übt Kritik am Lehrerkollegium des Gymnasiums Wildeshausen

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Lange war „Willi wühlt“ in seinem Maulwurfshügel verschwunden. Nach der Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr gab es für die gleichnamige politische Initiative in Wildeshausen kaum mehr etwas zu kritisieren. Ausgerechnet Lehrer sorgen nun dafür, dass „Willi“ seinen Maulwurfhaufen wieder aufge“wühlt“ hat.

„Willi wühlt“ ist „Das Schweigen der Lehrer“ ein Dorn im Auge. Foto: msi
„Willi wühlt“ ist „Das Schweigen der Lehrer“ ein Dorn im Auge. Foto: msi

Seit Pfingstdienst steht das pinkfarbene Objekt an der Krandelstraße, direkt am Eingang zum Gildefestplatz. „Das Schweigen der Lehrer“ ist auf einem Schild zu lesen. Denn „Willi“ kritisiert nicht das Treiben beim Gildefest, sondern dass Verhalten der Lehrer am Gymnasium Wildeshausen. Die hatten in einem Elternbrief am 11. Mai darüber informiert, dass Schulleitung und Lehrer nur noch bei rein dienstlichen Verpflichtungen mit dem von der Elternschaft gewählten Vorstand des Schulelternrates kommunizieren wollen. Im Elternbrief, der vom gesamten Lehrerkollegium und der Schulleitung unterzeichnet wurde, sehen die Lehrer keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit mit dem Vorstand des Schulelternrates.
Der Konflikt am Gymnasium Wildeshausen zwischen Lehrerkollegium und Elternschaft schwelt seit längerem. Anlass ist der Boykott der Lehrerinnen und Lehrer der Klassenfahrten. Weil das Land Niedersachsen ihnen Mehrstunden aufgebürdet hat, verweigert das Lehrerkollegium den Schülern die Klassenfahrten. Unterstützung für ihren Standpunkt erhielten die Lehrer am Anfang auch von den Eltern. In einer gemeinsamen Stellungnahme vom März 2015 zur Novelle des niedersächsischen Schulgesetzes sprachen sich Schulleitung, Personalrat, Elternrat und Schülervertretung gemeinsam für eine funktionieren Schulformpluralität aus. „Gymnasien mit ihrem besonders vielfältigen Bildungsangebot bleiben darin unersetzbar“, heißt es darin.
Dieses „Schulter an Schulter“ zum Wohle der Schülerinnen und Schüler scheint nun jedoch Geschichte zu sein. Die Lehrer werfen dem Vorstand des Schulelternrates vor, gezielt Konflikte zu schüren und Halbwahrheiten an die Öffentlichkeit zu tragen.
Schon seit Dezember 2013 gebe es einen stetig anschwellenden Konflikt zwischen Vorstand und Kollegium. „Wir sehen uns konfrontiert mit einer systematischen Behinderung des Informationsflusses zwischen Eltern und Kollegium“, heißt es im Elternbrief.
Die fehlende oder nicht vorhandene Kommunikation ist auch der Grund, warum „Willi wühlt“ wieder auf der Bildfläche erschienen ist. Nach langem Winterschlaf dachte Willi, in Wildeshausen hätte sich alles zum Guten gewendet. „Allüberall Harmonie; alle sprechen miteinander, Rat mit Verwaltung, Parteien untereinander, ja sogar der neue Bürgermeister setzt sich mit Willi an einen Tisch und spricht“, heißt es in einer Stellungnahme des kritischen Maulwurfs. Willi glaubte nun, schon fast am Ziel zu sein und sich beruhigt zurücklehnen zu können. „Weit gefehlt. Fast alle reden miteinander. Eine kleine Gruppe (fast wie das gallische Dorf) hat den Trend verpennt und bringt Wildeshausen damit wieder an die Grenze der Lächerlichkeit“, schreibt Willi mit Blick auf die Lehrer des Gymnasiums.
Nur noch bei offiziellen Anlässen mit den Eltern zu reden, sein ein schlechtes pädagogisches Beispiel für die ihnen anvertrauten Schüler. „Die beiden wichtigsten pädagogischen Organe (Eltern und Lehrer) sprechen nicht mehr miteinander. Welch katastrophales Signal an die Schüler“, findet Willi. Er überlegt sich, was wohl passiert, wenn Schüler diesem Beispiel folgen. „Konsequent wäre dann ja wohl, wenn die Schüler in der eigentlichen Auseinandersetzung (Boykott der Klassenfahrten) jetzt auch die Kommunikation mit den Lehrern einstellten.“
Der Konflikt zehrt an den Nerven der Beteiligten. Eine Mutter hat jetzt die Konsequenzen gezogen und ihre Mitarbeit im Vorstand des Schulelternrates aufgeben. Sie sieht nach dem Elternbrief der Lehrer offenkundig wenig Chancen, das Verhältnis zu normalisieren.
Der Vorstand des Schulelternrates will jedoch nicht die Flinte ins Korn werfen. Vielmehr will man die Initiative ergreifen und sich um einen „Runden Tisch“ mit allen handelnden Personen bemühen. Helfen soll dabei ein externer Mediator.
„Ziel des Gesprächs ist es, das Verhältnis zwischen Schulleitung, Vertretern des Kollegiums und dem Schulelternratsvorstand wieder herzustellen. „Ein gemeinsames Handeln im Interesse unserer Schule muss wieder möglich sein“, heißt es in einer Stellungnahme des Schulelternrates.
Als Mediator könnte „Willi wühlt“ fungieren. Er hat bereits seine Hilfe angeboten. „Die Kinder, um die es letztlich in dieser Institution ausschließlich gehen sollte, sind uns doch wohl allen viel zu wichtig, als dass man auf deren Rücken kleinliche Interessenkämpfe austrägt.“

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