Den Schnucken aus dem Pelz geholfen

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Viel los beim 10. Schafschurfest auf dem Pestruper Gräberfeld

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Die Sonne meinte es gut am Sonntag mit den Organisatoren und Besuchern des 10. Schafschurfestes auf dem Pestruper Gräberfeld. Für Schafscherer Holger Petzold war die ohnehin anstrengende Arbeit dadurch allerdings noch deutlich schweißtreibender. 120 Moorschnucken half Petzold mit seiner elektrischen Schermaschine aus dem Pelz, beobachtet von mehreren Hundert Zuschauern. Ehefrau Katharina Petzold räumte die Fellplacken beiseite und ermöglichte es den Besuchern immer wieder, an den groben und derben Fasern zu fühlen und zu ziehen.

120 Moorschnucken half Holger Petzold mit seiner elektrischen Schermaschine aus dem Pelz. Foto: Martin Siemer
120 Moorschnucken half Holger Petzold mit seiner elektrischen Schermaschine aus dem Pelz. Foto: Martin Siemer

Seit zehn Jahren wird die Heidefläche des Pestruper Gräberfeldes von Diepholzer Moorschnucken vom Schäferhof Teerling beweidet. Schäfer Detlef Helmers zieht mit der Heide im Frühjahr über die Fläche, wie die Tiere mit ihrem Verbiss dafür sorgen, dass unliebsame Pflanzen wie zum Beispiel Birken oder Gräser nicht überhand nehmen. Neben der Frühjahrsbeweidung gibt es auch noch eine Herbstbeweidung. Nach mehrjährigen Versuchen mit allen möglichen Alternativen hatten die Verantwortlichen vor einem guten Jahrzehnt für die traditionellen Beweidung mit Schafen entschieden.
Die Landesforsten Niedersachsen hatte auch das Jubiläums-Schafschurfest organisiert. Rund um den Schafkoben auf dem Gräberfeld gab es Infostände zur Arbeit der Landesforsten und des Waldpädagogikzentrum, das an den Ahlhorner Fischteichen beheimatet ist. Kleine und große Besucher konnten aus Ton die verschiedensten Tiere und Figuren formen, die eine große hölzerne Arche bevölkerten. Damian (6) hatte bereits einen Hasen geknetet und arbeitete konzentriert an einem Elefanten.

Tosca Friedrich hatte aus dem Fundus des Museum einige Exponate mitgebracht, dich sich die Besucher nach den Spaziergängen ansehen konnten. Foto: Martin Siemer
Tosca Friedrich hatte aus dem Fundus des Museum einige Exponate mitgebracht, dich sich die Besucher nach den Spaziergängen ansehen konnten. Foto: Martin Siemer

Viel Wissenswertes gab es auch über das Pestruper Gräberfeld als solches. Dr. Svea Mahlstedt, Archäologin und Vorsitzende des Fördervereins Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen (UWZ), erzählte bei halbstündigen Spaziergängen über die Heidefläche aus archäologischer Sicht. „Bis heute sind nur Ausgrabungen aus den 1950er Jahren gut dokumentiert“, sagte Mahlstedt. Tosca Friedrich, Museumsarchäologin des Museums für Natur und Mensch in Oldenburg, ergänzte: „Nur ein kleiner Teil der über 500 Grabhügel sind überhaupt schon erforscht.“
Friedrich hatte aus dem Fundus des Museum einige Exponate mitgebracht, dich sich die Besucher nach den Spaziergängen ansehen konnten. Dazu zählte sowohl ein tönernes Gefäß wie auch sogenannter „Leichenbrand“, die knöchernen Überreste eines Menschen. Auch Schmuckstücke aus längst vergangenen Zeit gab es zu sehen.

Dr. Svea Mahlstedt (links) erzählte bei halbstündigen Spaziergängen über die Heidefläche aus archäologischer Sicht. Foto: Martin Siemer
Dr. Svea Mahlstedt (links) erzählte bei halbstündigen Spaziergängen über die Heidefläche aus archäologischer Sicht. Foto: Martin Siemer

Zu den Besuchern gehörte auch Andrea Wilke. Sie war mit Freundinnen vom Steinhuder Meer nach Wildeshausen gekommen. „Eigentlich wollten wir nach Schneverdingen, aber da war für den Nachmittag Gewitter angesagt, deshalb sind wir spontan hierher gekommen .Wir wussten gar nicht, dass es hier so eine tolle Veranstaltung gibt.“ Dann zückte sie ihre Kamera und machte fleißig Aufnahmen von den bereits geschorenen Schafen, die sich dicht gedrängt in einer Ecke des Gatters aneinander drückten und sich gegenseitig Schatten spendeten. Ihre Artgenossen warteten währenddessen im Schafkoben darauf, dass Holger Petzold auch bei ihnen die Maschine ansetzte. Einer Schnucke gelang es jedoch, sich an ihm vorbei zu mogeln und in vollen Pelz die Flucht zu ergreifen. Allerdings währte diese nicht lange. Schäfer Detlef Helmers griff zum Schäferhaken und sammelte die Ausreißerin wieder ein. Am späten Nachmittag hatte Holger Petzold dann ganze Arbeit geleistet. Alle 120 Moorschnucken standen ohne Fell da. Damit endet dann auch die Frühjahrsbeweidung auf dem Pestruper Gräberfeld. Jetzt dauert es wieder bis zum Spätsommer, bevor die Herde mit Detlef Helmers wieder über die Heideflächen zieht.

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