Die Fun Factory macht dicht

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Der Glanz von einst der Wildeshauser Diskothek ist längst verblasst

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Über Jahre war die Großdiskothek Fun Factory der Stern am Diskothekenhimmel Norddeutschlands. Dieser Stern ist längst verblasst. Zwar wurde Anfang Oktober noch der 20. Geburtstag gefeiert. Am 12. Dezember wird nun aber Schluss sein, die Fun Factory schließt, heißt es auf der Facebook Seite der Diskothek. Am 11. und 12. Dezember findet ein Closing-Party-Weekend statt.

Grund sind nicht nur schwindende Besucherzahlen, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten der Betreibergesellschaft. Seit Juni wurde nach Informationen von Die Hunte keine Pacht mehr gezahlt. Franz Ossenbeck, Eigentümer der Immobilie, bestätigte das auf Nachfrage. Und auch andere Rechnungen sind offenbar nicht beglichen worden.

Eine Aufnahme aus besseren Zeiten der Fun Factory. Damals feierten jedes Wochenende mehr als 6.000 Gäste in der Diskothek. Archivfoto: Martin Siemer

Ossenbeck hatte 1995 zusammen mit Thorsten Bruns und Michael Büter die Großdiskothek gegründet. Lange Jahre zählte der Diskotempel zu den Topadressen in Deutschland, die Fun Factory gewann  mehrfach Branchenpreise. Doch irgendwann begann der Stern zu verblassen. Ossenbeck und Büter zogen sich zurück.

2011 baute Torsten Bruns die Fun Factory mit großem Aufwand um. Mit gediegenem Ambiente und gehobenem Party-Anspruch wollte man weg vom „Billig-Feten-Klischee“. Der Ansatz scheiterte, schon nach wenigen Wochen verfiel Bruns wieder in das alte Szenario mit „Hangover“ und „Geiz-ist-geil-Partys“.

Im Oktober 2014 übernahm der Wildeshauser Getränkegroßhändler Nordmann, der bereits an der Diskothek beteiligt war, die Anteile von Bruns und verkaufte das gesamte Paket an Rejhan Muric, der damals das Studio 6 in Hannover und das Retro in Delmenhorst betrieb. Muric wollte aus der Fun Factory wieder eine Diskothek mit einem Programm für ältere Diskogänger machen, die erfahrungsgemäß mehr Umsatz generieren. Das glückte nicht, nach anfänglichem Aufschwung gingen die Besucherzahlen wieder zurück. Zudem hatte Mursic bei der Übernahme einige Altlasten vom vorherigen Betreiber „geerbt“, die vorher offensichtlich nicht bekannt waren.

Im Juli verkaufte Muric seine Anteile an der Betreibergesellschaft „Fun Entertainment GmbH“ an den Hannoveraner Renato Trauner. Dieser knipst jetzt in der Fun Factory das Licht aus.

Rejhan Muric selbst erwarb im Frühsommer 2015 den Delta Musikpark in Duisburg, eine der größten Diskotheken Deutschlands, in der zu Hochzeiten mehrere tausend Gäste am Abend feierten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Muric allerdings noch nicht alle vertraglichen Zahlungsverpflichtungen aus dem Kauf der Fun Factory erfüllt. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, Teile der Licht- und Soundanlage zu demontieren und nach Duisburg in seine neue Diskothek zu schaffen, die jetzt „Tentorium“ heißt.

Roland Damme, Geschäftsführer von Getränke Nordmann, bestätigte auf Nachfrage von Die Hunte, dass Teile der Technik ausgebaut wurden. „Ich bin selbst durch die Diskothek gegangen, dabei habe ich das festgestellt. Die Sachen waren noch unser Eigentum, weil noch nicht der gesamte Kaufpreis gezahlt ist“, sagte Damme. Allerdings habe Muric die Warenlieferungen, die er von Nordmann erhalten haben, immer beglichen. Auch laufe das „Retro“ in Delmenhorst stabil und ohne Probleme

Aus dem Kauf des Delta Musikparks hat Muric ebenfalls noch offene Zahlungsverpflichtungen. Ein Gerichtstermin, den Hans-Bernd Pikkemaat, ehemaliger Eigentümer der Duisburger Großdisco, angestrengt hatte, platzte. „Ich unterstelle ihm keine böse Absicht. Muric hat die Situation vermutlich völlig falsch eingeschätzt“, sagte Hans-Bernhard Pikkemaat gegenüber Die Hunte.

Nach Informationen der Duisburger Lokalredaktion der WAZ sollen im Tentorium Mitarbeiter nach getaner Arbeit nicht mit Geld, sondern mit Schuldscheinen entlohnt worden sein. Rejhan Muric selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Franz Ossenbeck wartet jetzt darauf, dass der Gerichtsvollzieher seine Arbeit gemacht hat und die Fun Factory zwangsgeräumt ist. „Zusammen mit meinem Sohn Lars werden wir die Diskothek dann komplett neu aufbauen und selbst betreiben. Alles wird neu, die Technik, das Interieur und auch der Name. "Allerdings wird das nicht ohne eine kurzfristige Schließung möglich sein“, kündigte Ossenbeck an.

Der Diskostern der Fun Factory ist dann aber für immer erloschen.

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