Dreister Diebstahl

(Kommentare: 1)

Angeklagte kommen mit blauem Auge davon

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Eine Einstellung des Verfahrens sowie eine Geldstrafe, das war das Ergebnis einer Schöffengerichtsverhandlung am Amtsgericht Wildeshausen am Montagmorgen. Angeklagt waren ein 34-Jähriger und ein 27-Jähriger aus Bremen. Ihnen wurde ein Einbruch am 14. März 2014 in ein Wohnhaus in Harpstedt zur Last gelegt. Beide Angeklagten waren vor Gericht geständig.
Nach ihren Aussagen wären sie ziellos durch die Gegend gefahren. In Harpstedt hatte der 27-Jährige dann das Wohnhaus einer über achtzigjährigen Frau als lohnend ausgespäht. Obwohl die Frau im Vorgarten arbeitete, ging der jünger der Angeklagte durch die Haustür in die Wohnung, der Türschlüssel steckte. Er durchsuchte mehrere Räume, fand im Schlafzimmer in einem Schrak eine Schmuckschatulle und verschwand durch das Schlafzimmerfenster. Beim Verlassen des Grundstücks bemerkte ihn die Wohnungseigentümer und stellte ihn zur Rede. „Ich konnte unter seiner Jacke die Konturen meiner Schmuckschatulle erkennen“,sagte die heute 84-Jährgie vor Gericht aus. Sie habe sich aber zu keiner Zeit von dem Mann bedroht gefühlt. Der 27-Jährige suchte schließlich das Weite und wurde von seinem Komplizen mit dem Auto aufgenommen. Die Schmuckschatulle wurde schließlich von der Polizei unversehrt aufgefunden.
Zu Beginn des Verfahrens regte der Verteidiger des 27-Jährigen ein Verständigungsgespräch an. Sein Mandat war am 10. Juni 2015 vom Amtsgericht Geldern wegen vierer weiterer Einbruchdiebstähle zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Auch die damals abgeurteilten Taten lagen bereits zwei Jahre zurück. Beim damaligen Verfahren war die Tat aus Harpstedt noch nicht von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Doch auch wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte sich das Strafmaß nicht erhöht. Zudem habe die Verurteilung bei seinem Mandanten eine nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Er habe seit den Einbrüchen, die in Geldern verhandelt wurden, keine Straftaten mehr begangen. Zudem nehme sein Mandant seit geraumer Zeit keine Drogen mehr. Eine Aussage, die vom Bericht der Bewährungshelferin bestätigt wurde. Nach kurzer Beratung stellte das Schöffengericht das Verfahren gegen den 27-Jährigen ohne Auflagen ein. Eine Entscheidung, die sich die drei Richter angesichts von zwölf Vorstrafen nicht leicht machten.
Auch der 34-Jährige stand vor Gericht zu seiner Tat. Er entschuldigte sich noch im Gerichtssaal beim 84-Jährigen Opfer. „Ich weiß nicht, was damals in mich gefahren ist“, sagte er.
Das Gericht verhängte schließlich eine Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro für den gemeinschaftlichen Diebstahl. „Es ist schon eine besondere Dreistigkeit in eine Wohnung einzudringen, wenn jemand dort im Garten arbeitet“, stellte die vorsitzende Richterin fest.
Bei der Urteilsfindung bleib der Hinweis eines Zuhörers während einer Sitzungsunterbrechung unberücksichtigt. Er teilte mit, dass am gleichen Tattag, wenige Stunden vor dem Diebstahl aus dem Haus der 84-Jährigen, in sein Wohnhaus in der Samtgemeinde ebenfalls eingebrochen worden war. Die Ermittlungen waren jedoch seinerzeit von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Ob es sich dabei um die gleichen Täter handeltet, war so nicht mehr zu klären.

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Kommentare

Kommentar von Martin B. |

Greift jetzt hier auch, wie in Bremen schon länger üblich die Kuschelpädagogik? Zwölf Vorstrafen. Kopfschütteln. Na, dann kann man(n) ja beruhigt weitermachen. Man(n) wird ja auch nicht jedesmal ertappt.

Antwort von Martin Siemer

Die bisherigen Verurteilungen des27-Jährigen fanden alle in Bremen statt, mit Ausnahme eines Urteils am AG Geldern.

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