Freigänger verteilt Faustschläge

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Sechs Monate Freiheitsstrafe für Wiederholungstäter

Von Martin Siemer

Wildeshausen/Harpstedt. Auf Hafturlaub befand sich ein 30-Jähriger aus der Samtgemeinde Harpstedt Anfang Oktober des vergangenen Jahres. Vier Tage hätte er noch von seiner Haftstrafe absitzen müssen, dann wäre er ein freier Mann gewesen. Das hinderte ihnen allerdings nicht daran, am 2. Oktober während einer privaten Feier im „Marktkieker“ in Harpstedt gleich drei andere Gäste mit Faustschlägen zu traktieren. Die Folge: Eine weitere Haftstrafe von sechs Monaten, für die es diesmal für den Wiederholungstäter keine erneute Bewährung gab.
Vor der Strafrichterin am Amtsgericht Wildeshausen gab der Angeklagte am Montagmorgen über seinen Verteidiger die ihm zur Last gelegten Körperverletzungen unumwunden zu. „Mein Mandant benahm sich ungebührlich, flirtete mit verheirateten Frauen“, sagte der Anwalt. Die Entgleisungen, wie auch die damals abgesessene Haftstrafe, würden mit übermäßigem Alkoholkonsum zusammenhängen. Derzeit habe sein Mandat dem Alkohol ab vollends entsagt, erklärte der Verteidiger und legte als Beweis einen sogenannten Abstinenzvertrag vor, den der Angeklagte im Oktober mit dem Landkreis Oldenburg geschlossen haben. Ziel eines solchen Vertrages ist die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis, die dem 30-Jährigen aufgrund häufiger Alkoholdelikte im Straßenverkehr entzogen wurde.
Die Richterin überzeugte das Dokument jedoch in keiner Weise, zumal dort auch stand, dass der Angeklagte bereits seit September keinen Alkohol mehr konsumiere. Der Vorfall in Harpstedt ereignete sich jedoch erst am 2. Oktober.
Der Harpstedter war zu der Feier gerufen worden, um mit Getränken auszuhelfen. Er blieb dann dort und begann, nach eigenen Angaben aufgrund seines Alkoholkonsums, mit verschiedenen Frauen zu tanzen und diese „anzubaggern“. Als er vom Ehemann einer dieser Frauen gebeten wurde, das zu unterlassen, versetzte der Angeklagte diesem einen Faustschlag ans Kinn. Das Opfer trug eine Kiefersperre davon. Auch eine der Frauen wurde vom Angeklagten geschlagen, nachdem sie ihn abgewiesen hatte. Nachdem der Harpstedter gebeten wurde, die Feier zu verlassen, traf er auf der Treppe nach draußen einen weiteren Gast, dem er ebenfalls einen Fausthieb versetzte.
All das und vor allem die neun Vorstrafen, davon zweimal gefährliche Körperverletzung veranlassten den Staatsanwalt, auf eine sechsmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung zu plädieren. Diesem Antrag folgte die Strafrichterin. „Über eine Bewährung brauchen wir heute nicht mehr sprechen. Wenn Sie schon eine Haftstrafe nicht von weiteren Straftaten abhalten lässt, dann schon erst recht nicht eine Verurteilung auf Bewährung“, sagte sie in der Urteilsbegründung.

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