Freispruch für Brandstiftung

(Kommentare: 0)

27-Jähriger zündelt im Mehrfamilienhaus

Von Martin Siemer

Wildeshauser. Warum er am 8. November 2014 vor der Wohnungstür seiner ehemaligen Lebensgefährtin Zeitungen anzündete, daran konnte sich der 27-Jährige Angeklagte eben sowenig erinnern wie an die Umstände, wie er in das Mehrfamilienhaus an der Visbeker Straße gekommen war. Am Montagnachmittag musste sich der Wildeshauser vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts wegen einer versuchten schweren Brandstiftung verantworten.
Seine Aussage vor Gericht war von großen Erinnerungslücken geprägt. Am Abend vor der Tat hatte er zusammen die seiner ehemaligen Lebenspartnerin und deren Schwester in einem Wildeshauser Lokal getrunken. Nach eigenen Angaben hatte er davor bereits allein eine Flasche Wodka geleert. Zusammen fuhren die drei zum Elternhaus der Ex-Freundin, wo unter anderem das gemeinsame Kind übernachtete. Dort kam es zum Streit zwischen dem Angeklagte und seiner ehemaligen Partnerin.
Wie er dann in das Wohnhaus an der Visbeker Straße kam, daran konnte sich der junge Mann nicht erinnern. „Das ist so, als wenn ich mich in einem Film sehen“, sagte er aus. Er erinnerte sich nur daran, dass er Zeitungen in der Hand hatte, die er versuchte anzuzünden. “Das hat nicht funktioniert, da habe ich die Zeitungen weggeworfen“, sagte er.
Die Zeitungen glimmten aber sehr wohl und entzündeten eine darunterliegen Fußmatte. Auch die Tür zur Wohnung der Ex-Freundin wurde in Mitleidenschaft gezogen.
Ein Zeuge, der im Dachgeschoss des Hauses schlief, bemerkte den Rauch und suchte nach der Ursache. „Als ich die Wohnungstür öffnete, war der ganze Flur schon vollgequalmt“, sagte er vor Gericht aus. Er weckte seinen Vater, alarmierte die Feuerwehr und klingelte die Nachbar aus dem Schlaf. Sein Vater löschte den Brand mit Wasser. Die Feuerwehr brauchte nicht mehr tätig zu werden.
Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten vor, dass er in Kauf genommen hätte, das Gebäude in Brand zu stecken und Personen einen Schaden zuzufügen. Er beantragte seine sechsmonatige Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.
Der Verteidiger des Angeklagte plädierte auf Freispruch. Für ihn fehlte der Nachweis, dass der Brand auf das gesamte Haus übergegriffen hätte.
Nach kurzer Beratung sprach das Schöffengericht den Angeklagten frei. Allerdings mit einen Bedenken. „Man hat ein komisches Gefühl dabei, weil das was sie getan haben nicht in Ordnung war. Brandstiftung ist kein Spaß“, sagte die Vorsitzende Richterin.
Zugute kam dem Angeklagten, dass er sich seit Ende des vergangenen Jahres in einer Therapieeinrichtung befindet, um seine Suchtprobleme in den Griff zu bekommen.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 3 und 4.