1500 Kois getötet

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Amtsgericht verurteilt 28-Jährigen zu neun Monaten auf Bewährung

Von Martin Siemer

Wildeshausen. „Ich war es definitiv nicht. Es liegen keine Beweise gegen mich vor, dass ich das gemachte habe.“ Auch die Beteuerungen in seinem Schlusswort halfen einem 28-Jährigen aus der Wittekindstadt am Mittwochmittag nicht vor dem Amtsgericht Wildeshausen. Die Richterin verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wird. Der Mann war angeklagt, in Betrieb seines ehemaligen Arbeitgebers Fischbecken mit der Substanz Peressigsäure versetzt zu haben. Rund 1.500 Koikarpfen im Wert von rund 12.000 verendeten dadurch.
Gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft über 50 Tagessätze zu je 30 Euro hatte der 28-Jährige Widerspruch eingelegt, weshalb es zu Verhandlung kam.
Aus Verärgerung über seine Kündigung am soll der Angeklagte am 22. April 2015 die Peressigsäure in die Aufzuchtbecken gekippt haben. An diesem Tag überreichte sein Chef ihm die Kündigung. Der Angeklagte befand sich damals noch in der Probezeit in dem Fischzuchtbetrieb. „Es hat einfach nicht gepasst. Er war zu unzuverlässig“, sagte der Betreiber der Anlage als Zeuge aus. Es sei am Tattag gegen 16.30 Uhr weggefahren und kurz nach 18 Uhr zurückgekehrt, weil er eine neue Lieferung Zuchtfische erwartete. Als er die Aufzuchthalle betrat, bemerkte er die veränderten Becken und stellten die verendeten Fisch fest. Ein weitere Mitarbeiter, der als Verwalter der Anlage tätig ist, sagte aus, er habe mit dem Angeklagten noch eine Zigarette geraucht und mit ihm über die Kündigung gesprochen. Man hab ihm schon angemerkt, dass ihn die Kündigung beschäftigt. Dann sei der 28-Jährige in die Aufzuchthalle gegangen, um angeblich seine Stunden in einen dort stehenden Ordner mit Stundenzetteln einzutragen. Danach sie der Angeklagte mit seinem Fahrrad weggefahren. Gegen 18 Uhr hatte der Verwalter die Hallen abgeschlossen und Feierabend gemacht, ohne das ihm etwas auffiel. Erst durch den Anruf seines Chefs sei er über die Ereignisse informiert worden.
Der Angeklagte wiederum hatte zuvor ausgesagte, er habe mit seinem Kollegen geraucht und sei dann in die Halle gegangen, um den letzten Stundenzettel zu kopieren. Anschließend sei er nach Hause gefahren. Er bestritt vehement, etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben.
Seine Glaubwürdigkeit wurde aber vor allem durch ein ziemliches Vorstrafenregister in Zweifel gezogen. 13 Eintragungen nannte die Richterin aus dem Bundeszentralregister. Die Taten zumeist Eigentumsdelikte wie Diebstahl, Unterschlagung, Hehlerei, aber auch Nötigung, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz oder das Waffengesetz.
Sowohl der Staatsanwalt als auch die Richterin sahen die Schuld des Angeklagten als Erweisen an. Die Richterin entsprach mit dem Urteil deshalb auch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte muss zudem 2.000 Euro Schadenersatz an den Betreiber der Fischanlage zahlen und er bekommt, wie bereits jetzt schon, einen Bewährungshelfer zu Seite gestellt.
In die aktuelle Verurteilung wurde ein Urteil vom 15. Juni 2016 einbezogen. Damals war der 28-Jährige zu einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Da die neue Tat vor dieser Verurteilung lag, wurde eine Gesamtstrafe gebildet.
Ob das für den Angeklagte das Ende des Verfahren ist bleibt abzuwarten. Er selbst kündigte jedenfalls Berufung gegen das heutige Urteil an. Zudem sind zwei weitere Verfahren gegen ihn in Vorbereitung, so dass er am Ende vielleicht doch noch hinter Gittern müsste.

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