Im Zweifel für den Angeklagten

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Freispruch für 24-Jährigen vom Vorwurf der Vergewaltigung

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Nicht einfach hatte es das Schöffengericht am Amtsgericht Wildeshausen im Verfahren gegen einen 24-Jährigen. Dem jungen Bulgaren war eine versuchte Vergewaltigung vorgeworfen worden. Doch weder das vermeintliche, damals 16-Jährige Opfer noch eine Zeugin reisten aus Bulgarien zu den beiden Verhandlungstagen an. Zudem nährten die Aussagen weiterer Zeugen die Zweifel am Tatvorwurf. Am Ende wurde der 24-Jährige freigesprochen, zudem erhält er eine Entschädigung für die viermonatige Untersuchungshaft. Weil auch der Staatsanwalt auf Rechtsmittel verzichtete ist das Urteil rechtskräftig.
Die Tat sollte sich am 16. März 2016 in Aumühle ereignet haben. Der 24.-Jährige lebte damals auf dem dortigen Campingplatz, ebenso die 16-Jährige mit ihrer Familie. Am Tag des Vorfalls soll er Bulgare das Mädchen in seine Auto gezerrt haben und zu einem nahegelegen Waldweg gefahren sein. Dort sollte er versucht haben sie zu vergewaltigen. Zudem masturbiert er angeblich vor ihr und schlug die 16-Jährige. Das Treiben endete erst, als der Vater des Mädchen mit zwei ihrer Freundinnen auftauchte. Das Mädchen konnte das Auto verlassen, der 24-Jährige flüchtete.
Während des ersten Verhandlungstages Ende Januar hatte der Angeklagte zugegeben, dass er das Mädchen in seinem Auto geküsste hätte. Er wäre damals mit ihr zusammen gewesen. Die Vergewaltigung bestritt er jedoch. Vielmehr mutmaßte er, dass die 16-Jährige den Vorfall aus Ausrede erfunden habe, weil sie in Bulgarien einem anderen Mann versprochen war und ihr Vater deshalb böse seien könnte. Am zweiten Prozesstag wurde bekannt, dass die 16-Jährige mittlerweile in Bulgarien verheiratet ist.
Weil nicht alle Zeugen vor Gericht gehört werden konnten, hatten die bei der Polizei aufgenommenen Aussagen besondere Bedeutung. Nach Anhörung zweier Polizeibeamtinnen und des Vater des Mädchen gab es sowohl beim Gericht als auch beim Staatsanwalt erhebliche Zweifel an der Vergewaltigung. So hatten die Zeugen bei der Polizei ausgesagt, es wären zwar die Haare des Mädchen verwuselt gewesen, an der Kleidung sei aber nichts besonderes aufgefallen. Auch wies das Mädchen keine typischen Verletzungen auf. Widersprüche in den verschiedenen Aussagen nährten zudem den Verdacht, dass es sich tatsächlich um eine Schutzbehauptung handeln könnte.
Nach dem Freispruch und der Aufhebung den Haftbefehls konnte der 24-Jährige den Gerichtssaal als Freier Mann verlassen.

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