Kein Anspruch auf Unrecht

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Landkreis zieht beim Campingplatz Aumühle die Daumenschrauben an

Von Martin Siemer

Aumühle. Holzverschläge statt Vorzelte, Holzbaracken, in denen Menschen leben, Sanitäranlagen, die schon einmal bessere Zeiten gesehen haben. Die Zustände auf dem Campingplatz Aumühle sind alles andere als in Ordnung.
Seit knapp einem Jahr ist der Landkreis Oldenburg als Bauordnungsbehörde im Gespräch mit dem Betreiber. Vor allem die baurechtlichen Verstöße sind der Kreisverwaltung ein Dorn im Auge. Das machte Landrat Carsten Harings am Mittwochnachmittag während eines Pressegesprächs im Kreishaus deutlich. Mit dabei Wildeshausen Bürgermeister Jens Kuraschinski, der Erste Kreisrat Christian Wolf und Eva-Maria Langfermann, Baudezernentin des Landkreises.
Nachdem der Betreiber Hergen Mertens alle Vorgaben des Landkreises bislang mehr oder wenige ignorierte, hat die Kreisverwaltung jetzt die Daumenschrauben angezogen. Ende Februar erhielt Mertens eine Verfügung des Landkreises. Danach hat er bis etwa Ende April die baurechtlichen Missstände zu beseitigen. Vor allem geht es um Holzhütten, die anstelle der Vorzelte an den Wohnwagen errichtet wurden, damit die Bewohner mehr Platz haben. Nach der Campingplatzverordnung des Landes Niedersachsen sind diese Nebenbauten nur bis zu einer Größe von sechs Kubikmetern umbauten Raum zulässig, erläuterte Eva-Maria Langfermann. Viele der Vorbauten sind deutlich größer. Zum Teil leben Menschen auf dem Campingplatz nur in Holzhütten ohne den dazugehörigen Wohnwagen. Vor allem im Hinblick auf den Brandschutz birgt das Gefahren, auch weil Rettungsfahrzeuge nicht alle Punkte auf dem Platz erreichen können.
Wenig Verständnis zeigte Carsten Harings für die derzeitige Empörungswelle, die zum Teil auch aus der Politik gespeist wird. „Allen Beteiligten hätte das Unrecht bekannt sein müssen. Auch die Bewohner des Campingplatzes wurden schon im Jahr 2014 informiert“, sagte der Landrat und ergänzt „Es kann keinen Anspruch auf Unrecht geben, nur weil der Unrechtstatbestand nicht beseitigt wurde.“
Auch wenn der Landkreis jetzt den ordnungsrechtlichen Weg beschritten habe, eine Räumung des Platzes ist nicht ausgesprochen worden. „Es geht nur darum, die rechtswidrigen Bebauungszustände zu beseitigen und den Platz in ein rechtskonformen Zustand zu bringen“, betonte Harings.
2011 hat Betreiber Hergen Mertens den Campingplatz an der B 213 in Aumühle übernommen. Und schon damals waren die besten Zeiten des Platzes lange vorbei. Passiert ist seitdem wenig, fast nichts möchte man sagen. Außer, dass immer mehr Menschen den Campingplatz als ihren ersten Wohnsitz nutzen. Teilweise liegt es daran, dass sie sich eine richtige Wohnung nicht mehr leisten können. Andere wiederum verdingen sich als Werkvertragsarbeiter in den bekannten Betrieben in der Region.
Für Jens Kuraschinski ist der Campingplatz in Aumühle auch aus touristischer Sicht von Bedeutung. “Als Stadt brauchen wir einen hochwertigen Campingplatz, davon sind wir aber noch meilenweit entfernt.“
Bis Ende April hat Hergen Mertens jetzt Zeit, die baurechtlichen Missstände auf seinem Campingplatz zu beseitigen. Was dann passiert, ließ Carsten Harings offen. „Wir werden abwarten, was passiert.“
Aumühle ist jedoch nicht der einzige Campingplatz im Landkreis, der jetzt in den Fokus der Kreisverwaltung gerückt ist. „Wir werden nach und nach auch die übrigen Plätze anschauen“, kündigte Langfermann an.

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