Kneipen, Kasernen, Kulturtreffpunkte

(Kommentare: 0)

Ausstellung „Gastronomie in Wildeshausen“ im Kornbrennereimuseum

Wildeshausen (eb). Wildeshausens alte Gastwirtschaften dienten vielen Funktionen. Mal waren sie Ersatz-Kaserne für Soldaten des Luftschifftrupps, mal Erprobungsort für neue technische Entwicklungen, sogar Raum zum Beten. Von einigen dieser Funktionen will die nächste Ausstellung im Wildeshauser Brennereimuseum erzählen. „Gastronomie in Wildeshausen“ ist sie überschrieben – und am Sonntag, 14. September, dem „Tag des offenen Denkmals“, von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

Ein Schmuckstück schon um 1900: der Gasthof Stegemann an der Westerstraße. Bild: Musueumsverein
Ein Schmuckstück schon um 1900: der Gasthof Stegemann an der Westerstraße. Bild: Musueumsverein

Die Ausstellung zeigt historische Bilder alter gastronomischer Betriebe der Wittekindstadt, zur Orientierung werden teilweise die heutigen Ansichten danebengestellt. Ferner sind einzelne Utensilien aus Gastwirtschaften zu sehen, wie etwa eine Schnapspumpe, mit der Hochprozentiges aus Fässern im Gasthaus-Keller in den Schankraum befördert wurde (wobei dieses Exponat nicht aus Wildeshausen, sondern aus dem Gasthaus Schürmann in Brettorf stammt).

Beispielhaft erzählt die Ausstellung die Geschichte des Gasthofes „Zum Bremer Schlüssel“ , also der Gaststätte Kolloge, deren Saal in der dritten Strophe des Wildeshausen-Liedes besungen wird („bei Klogen Willi in dem Saal“). Das Anwesen an der Huntestraße war bis zum Jahr 1850 von der Gastronomen-Familie Lübbert Stegemann betrieben und dann an den 30-jährigen Neu-Wildeshauser Johann Heinrich Kolloge verkauft worden. Seine Blüte sollte es allerdings erst nach einer Katastrophe erleben, nämlich einer der großen Wildeshauser Feuersbrünste des Jahres 1895. Mit „furchtbarer Rapidität“, so schilderten es Zeitzeugen, hätten damals Flammen mehrere Häuser zwischen Huntestraße und der heutigen Wittekindstraße in Schutt und Asche gelegt.

Eine Postkarten-Zeichnung illustrierte kurz vor 1900 das Leben in „Klogens Saal“. Bild: Musueumsverein
Eine Postkarten-Zeichnung illustrierte kurz vor 1900 das Leben in „Klogens Saal“. Bild: Musueumsverein

Für Wilhelm Kolloge („Klogen Willi“), Wirt und Brenner in zweiter Generation, bot der zum 15. Oktober 1895 fertig gestellt Neubau des Gasthauses zugleich Chancen. Jetzt verfügte das Haus über einen der drei großen Säle der Stadt (345 Quadratmeter). Damit boten sich bessere Möglichkeiten, auch das zu veranstalten, was man heute „Kultur“ nennt: Lesungen, Zirkusvorstellungen, Konzerte, auch erste Vorläufer der späteren Kinofilme. Und es bot sich die Chance, technische Neuerungen zu installieren. So baute der Gastronom für 500 Mark eine Lichtanlage ein – zehn Jahre, nachdem im Herzogtum Oldenburg das erste elektrische Licht gebrannt hatte (bei einer Ausstellung in Oldenburg im Jahr 1885), und rund fünf Jahre, bevor in Wildeshausen die Strom-Versorgung über Gleichstrom-Leitungen begann.

916 war „Klogens Saal“ auch Kaserne. 100 Soldaten des 237 Männer umfassenden Luftschifftrupps Wildeshausen bezogen das Parkett. Vor dem Hause stand eine Wache.  Bild: Musueumsverein
916 war „Klogens Saal“ auch Kaserne. 100 Soldaten des 237 Männer umfassenden Luftschifftrupps Wildeshausen bezogen das Parkett. Vor dem Hause stand eine Wache. Bild: Musueumsverein

Beim Amüsement der Gäste setzte der Gastwirt auch auf andere Neuerungen. Schon um die Jahrhundertwende lockten neben Billard und Büchern auch zwei Spielautomaten. Ab 1904 stand das im Jahr 1887 von Emil Berliner erfundene Grammophon samt Platten zur Verfügung. Ab 1912 gab es ein „Clavier“, danach sogar zwei, ferner zwei Geigen und „Orchestrien“. Eine andere Neuerung: Ab 1906 gab es im Bremer Schlüssel eine erste „Closettspülung“.

Der Eintritt am Tag des offenen Denkmals ist frei. Parallel werden Führungen durch die alte Destille angeboten.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 1 und 2?