Kommerz statt Gedenken

(Kommentare: 2)

Ein Kommentar von Martin Siemer

Es gibt ihn seit fast 100 Jahren, den Volkstrauertag. Der Tag, an dem der Opfer von Krieg, Vertreibung, Flucht und Gewalt gedacht wird. Ein Gedenken, das angesichts der Krisen in der Welt aktueller ist denn je.

Doch im Bewusstsein der Bevölkerung scheint dieses Gedenken mit der Generation derer, die den Krieg erlebt haben, zu verschwinden. Anders ist die geringe Teilnahme am Volkstrauertag in Wildeshausen kaum zu erklären. Sieht man von den Delegationen von Feuerwehr, Spielmannszug und Bundeswehr, von Musikern und Chören ab, waren es am heutigen Sonntag nicht einmal 30 Bürgerinnen und Bürger, die zur Gedenkstunde auf den Wildeshauser Friedhof gekommen waren. Eine beschämende Zahl, angesichts knapp 20.000 Einwohnern.

Am Sonntagnachmittag drängten sich dagegen Hunderte in einem Gartencenter und deckten sich mit den ersten Adventsgestecken ein. Und auch eine kunsthandwerkliche Ausstellung in Harpstedt wurde förmlich überrannt. Man kann sich das Leben bequem machen. Dabei ist der nächste Kriegsschauplatz, die Ukraine, nur rund 2200 Kilometer von uns entfernt. Etwa genauso so weit, wie von Hamburg ins sonnige Madrid.

Wie sagte es Markus Klebb, Kommandeur des Luftlandeunterstützungsbataillons 272, bei der Gedenkfeier auf dem Wildeshauser Friedhof: „Tage des Gedenkens an Opfer sind derzeit nicht in Mode.“ Nicht fahrende Züge, die Jubelfeiern zum Mauerfall, dass alles bestimmt das Tagesgeschäft. Kaum einer denkt jedoch an die Kinder, die bei der Schlacht um das syrische Kobanê leiden. Oder die Jugendlichen, die im ukrainischen Donbass mit einer Kalaschnikow aufwachsen.

Wie verlogen unsere Gesellschaft ist, zeigt sich auch darin, dass beim Golfkrieg 1991 die Karnevalsumzüge in ganz Deutschland abgesagt wurden. Beim Kosovokrieg auf dem Balkan, nur sieben Jahre später, hat das kaum mehr jemanden interessiert. Und das, obwohl es mehr dort als 13000 Kriegsopfer gab.

Vielleicht sollten wir alle am Volkstrauertag nicht einfach nur gedenken, vielleicht sollte wir alle ein wenig mehr nachdenken.

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Kommentare

Kommentar von Patrick Wendler |

Moin Martin,
ich kann es einfach nicht glauben, das ich es verpennt habe, wie Wildeshausen zu einer Großstadt angewachsen ist :-O
Aber bist du dir sicher das Wildeshausen knapp 200.000 Einwohner hat? ;)
Gruß und schönen Restsonntag :)

Kommentar von Jarek Karwitzky |

So ein Schwachsinn....
Volkstrauertag, an den anderen Tagen denken wir nicht an die die gefallen. Meim 60 Jahre alte Vater kennt keinen der im Krieg gefallen sind. Ich bin 35 jahre und kenne, kannte ein paar. So geht es vielen...
Wir brauchen keinen Volkstrauertag und auch keinen Krieg. Leider begegnen uns diese Dinge jeden tag, ganz zu schweigen von der Anderen Scheiße in der Welt und vor unserer Tür.
Politik macht Krieg und elend, wir brauchen keine Politik....

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