Marktplatzneubau polarisiert

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Matinee des Bürger- und Geschichtsverein brachte wenig Erhellendes

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Die Zukunft des Wildeshauser Marktplatzes ist eines der am meisten diskutierten Themen der vergangene Wochen. Seit dem bekannt wurde, das ein Investor dort einen Neubau errichten will und dafür vorhandene Häuser weichen sollen, positionieren sich die Befürworter und Gegner des Vorhabens. Der Bürger- und Geschichtsverein hatte am Sonnabendmorgen zu einer Informationsveranstaltung in die alte Güterhalle am Bahnhof eingeladen, bei der 80 Bürgerinnen und Bürger den Argumenten und Gegenargumenten lauschten.

So vielfältig wie die Zahl der Fachleute waren auch die Meinungen zum Neubau am Wildeshauser Marktplatz. Foto: Martin Siemer
So vielfältig wie die Zahl der Fachleute waren auch die Meinungen zum Neubau am Wildeshauser Marktplatz. Foto: Martin Siemer

Mit Wolfgang Sasse (CDU), Rainer Kolloge (UWG), Evelyn Goosmann (SPD), Traute Sandkuhl (Bündnis90/Grüne) und Kreszentia Flauger (Die Linke) nahmen Abgeordnete des Rates an der Diskussion teil. Sandra Emmerling von der Unternehmensberatung Dr. Lademann & Partner ging auf das von ihr erstellte Einzelhandelsgutachten ein. Claus Marx, Wirtschaftsförderer der Stadt, Daniel Fuhrhop, Architekt und Buchautor aus Oldenburg und Folker von Hagen, ehemaliger Baudezernent des Landkreises Oldenburg, trugen ihre Sicht der Dinge bei.
Am Ende der zweistündigen Veranstaltung bleib es jedoch beim Austausch der bekannten Postionen. Lösungsansätze gab es nicht. Das mag zum einen daran gelegen haben, das es außer einigen Skizzen noch keine detaillierten Planzeichnungen des Bauvorhabens gibt. Zum anderen wurden aber einmal mehr zwei Themen mit einander vermengt.
Da ist auf der einen Seite der geplante Neubau im Herzen der Stadt. Ein sensibler Bereich, der von vielen Bürgern am liebsten unangetastet bleiben soll. Auf der anderen Seite gibt es das Einzelhandelsgutachten, welches der Rat der Stadt einstimmig verabschiedet hat und welches als Arbeitsgrundlage für die künftige Entwicklung des Einzelhandels gelten soll. Nach diesem Gutachten sollten in der Innenstadt rund 2.500 Quadratmeter neue Einzelhandelsfläche entwickelt werden. Im Neubauvorhaben am Markt könnten einige dieser Quadratmeter entstehen.

80 Bürgerinnen und Bürger waren zur Informationsveranstaltung in die alte Güterhalle am Bahnhof gekommen. Foto: Martin Siemer
80 Bürgerinnen und Bürger waren zur Informationsveranstaltung in die alte Güterhalle am Bahnhof gekommen. Foto: Martin Siemer

Rainer Kolloge stellte grundsätzlich in Frage, dass es neuer Einzelhandelsflächen bedarf. Er verwies auf den derzeitigen Leerstand in der Innenstadt und nannte hier explizit die erste Etage im Dieler Haus, die ungenutzt ist sowie das Kellergeschoss im ehemaligen Selvegebäude. Sandra Emmerling betonte jedoch, das diese Flächen kaum zu vermarkten seien, ebenso wie einige der kleineren leerstehende Flächen.
Daniel Fuhrhop mahnte, dass sich die Politik auf das besinnen sollte, was vorhanden ist. „Wenn sie solche Gebäude abreißen, geben sie auch ein Stück Geschichte weg“, sagte er und erhielt viel Beifall aus dem Publikum.
Folker von Hagen beschrieb das Dilemma, in dem sich die Politik befindet. „Sie kaufen die Katze im Sack, denn sie wissen nicht, was in den Neubau hineinkommt.“
„Die Suche des Einzelhandels nach einer attraktiven Lage zerstört zugleich auch diese Lage“, sagte von Hagen in Anlehnung an die Tourismus-Theorie Hans Magnus Enzensbergers.
Wolfgang Sasse und Evelyn Goosmann waren sich einig darin, dass der Marktplatz attraktiv gestaltet werden muss. „Die Fassaden und Häuser am Marktplatz sind seit Jahren nicht mehr schön“, befand Goosmann.
Kreszentia Flauger wiederum hielt einen Neubau weder städteplanerisch noch für die Bürgerinnen und Bürger sinnvoll. Traute Sandkuhl dagegen wollte keine „Maskeradenarchitektur“, bei der Historisches vorgegaukelt wird.
Der Forderung nach einem Mitspracherecht der Politik bei der Vermietung des möglichen neuen Einzelhandelsobjektes erteilten gleiche mehrere Redner eine Absage. Dies sei einzig und allein Sache des Investors. Dieses saß zwar unter den Zuhörer, meldete sich jedoch nicht persönlich zu Wort und erhielt auch kein Rederecht.
Gespannt darf man jetzt auf die angekündigten Planzeichnungen für den Neubau warten. Diese sollen in einer der nächsten Sitzungen des Fachausschusses vorgestellt und dann in einer weiteren öffentlichen Veranstaltung auch den Bürgerinnen und Bürgern präsentiert werden.

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