Schmerzensgeld statt Urteil

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Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingestellt

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Der Arbeitsunfall, der sich am 17 Februar 2014 in einer Geflügelschlachterei in Wildeshausen ereignete, hatte gravierende Folgen für den damals 21-Jährigen betroffenen Mitarbeiter. Durch den Sturz aus vier Metern Höhe erlitt er so schwer Verletzungen, dass er seit dem Querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt.
Der Unfall hatte am Montagmorgen ein gerichtliches Nachspiel vor dem Wildeshauser Amtsgericht.
Angeklagt war der 49-Jährige Geschäftsführer des Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, nicht den ordnungsgemäßen Einbau und die Sicherung von Arbeitsklappen in eine Zwischendecke veranlasst zu haben.
Durch eine solche Klappe war der damals 21-Jährige gestürzt. Er absolvierte in der Geflügelschlachterei eine Ausbildung zum Mechatroniker. Am Unfalltag sollte er in einer Zwischendecke Wartungsarbeiten durchführen. Er betrat diese Zwischendecke durch einen Anbau. Dabei übersah er die Luke, trat darauf und stürzte in die Tiefe. Drei der vier Arbeitsklappen waren durch eine Fachfirma eingebaut worden, die dritte durch Mitarbeiter der Schlachterei. Alle vier waren aber augenscheinlich falsch montiert, denn die Klappen öffneten sich nach unten und warne zudem nicht mit einer Absturzsicherung oder einen Geländer versehen.
Zur Hauptverhandlung war es überhaupt nur gekommen, weil der Angeklagte Einspruch gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft über 4.000 Euro eingelegt hatte.
Während der Verhandlung gaben der Angeklagte und sein Anwalt dem ehemaligen Mitarbeiter keine direkte Mitschuld an dem Unfall. Die Richterin bemerkte jedoch, dass dies im Schriftwechsel in den Gerichtsakten durchaus so zu verstehen sei. Sie wies den Angeklagten, der sich selbst frei von jeder Schuld sah, jedoch darauf hin, dass die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung und der Arbeitsschutzverordnung durch das Unternehmen nicht eingehalten wurden.
Der Einstellung des Verfahrens wollten Richterin und Staatsanwältin nur Zustimmen, wenn eine Schmerzensgeldzahlung an den ehemaligen Mitarbeiter erfolgt, der am Verfahren als Nebenkläger teilnahm.
Nach kurzer Sitzungsunterbrechung bot der Anwalt des Angeklagte ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro an, das an den Nebenkläger gezahlt wird. Alle am Prozess beteiligten Parteien stimmten diesem Angebot zu. Sollte die Zahlung innerhalb der kommenden vier Wochen erfolgen, ist das vorläufig eingestellte Verfahren dann endgültig erledigt.
Der heute 23-Jährige Mitarbeiter macht inzwischen eine Umschulung, für die er das Schmerzensgeld sicherlich gut gebrauchen kann.

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