Schwierige Wahrheitsfindung am Amtsgericht Wildeshausen

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Junger Mann soll an Silvester seine Schwester verprügelt haben

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwer. Am Silvestertag 2015 soll ein heute 24 Jähriger seine Schwester verprügelt und getreten haben. Als Grund nannte der Staatsanwaltschat die Beziehung der jungen Frau zu einem Mann, der offenbar nicht das Wohlwollen der Brüder des Opfer hatte. Dem Angeklagten war ein Strafbefehl zugestellt worden, gegen den er Einspruch eingelegt hatte, weshalb es zur Hauptverhandlung kam.
Die Wahrheitsfindung am ersten Verhandlungstag gestaltete sich schwierig. Schon bei der Feststellung des Geburtsdatums des aus Syrien stammenden Opfer konnten Richterin, Verteidiger und Ankläger auf verschiedenen Daten verweisen.
Der Angeklagte nannte bei seiner Befragung den 20. Januar 2001 als Geburtsdatum seiner Schwester. In einem Vermerk einer Behörde wird das Jahr 2002 angegeben. Die junge Frau selbst nannte als ihr Geburtsdatum den 12. April 1997.
Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte erklären, er habe seine Schwester weder geschlagen noch getreten. Vielmehr habe er sich Sorgen gemacht, weil sie noch zu jung für eine Beziehung zu einem Mann sei. Auch seien er und seine Brüder nicht pauschal gegen die Beziehung zu diesem Mann. Eben nur nicht zu damaligen Zeitpunkt.
Das Opfer kontne als Zeugin nur bedingt vernommen werden. Die Dolmetscherin, die dem Angeklagten zugeteilt war, konnte nur ins arabische übersetzen. Die jungen Frau verstand jedoch nur kurdisch und ein wenig deutsch, so dass sie der Verhandlung nicht folgen konnte. Die Richterin setzte deshalb für den 22. März einen Fortsetzungstermin an, zu dem die junge Frau und ein Kurdisch-Dolmetscher geladen ist.
Zwei weitere Zeugen brachten zumindest etwas Licht ins Verfahren. Zum einen sagte die Tante der jungen Frau aus, dass diese am Silvestertag mit ihrem Bruder, dem Angeklagten, spazieren gegangen sei und danach mit rotem Kopf und zerzausten Haaren zurückgekommen sei. Auch wusste die Zeugin, dass bereits eine Heirat mit einem anderen Mann verabredet sei und hierfür auch eine Geldzahlung in Höhe von 10.000 Euro in Aussicht gestellt worden wäre. Dies bestätigte auch der Sohn der Zeugin, der eine Beziehung mit der jungen Frau hat und nach eigenen Angaben mittlerweile mit ihr verheiratet ist. Bei ihm handelt es sich aber um den jungen Mann, den die jungen Frau aus freien Stücken für sich erwählt hatte. Der Zeuge berichtete auch von Drohungen der Brüder gegen seine Familie.
Die Richterin riet dem Angeklagten, nochmals zur Rücknahme des Einspruchs gegen den Strafbefehl. Sollte die Beweisaufnahme der Verhandlung den Tatvorwurf bestätigen, könnte die Anklage der Körperverletzung auch um eine Nötigung erweitert werden und eine Strafe dann über der des Strafbefehls liegen.
Nach Beratung mit seinem Anwalt lehnte der 24-Jährige jedoch die Rücknahme ab. „Er war es nicht“, sagte der Verteidiger.
Man darf jetzt auf den zweiten Verhandlungstag am 22. März gespannt sein. Dann wird voraussichtlich eine Geburtsurkunde der jungen Frau vorliegen, die sie im vergangenen Jahr beim Landkreis Cloppenburg hinterlegt hatte. Außerdem lässt die Richterin sich Akten des Amtsgerichts Cloppenburg kommen, wo gegen den Bruder des Angeklagten aus dem gleichen Strafgrund bereits ein Verfahren mit einem Urteil endete.

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