Smoke on the Marktplatz

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Wildeshauser Schaffermahl mit Heringsessen und Tabakkollegium

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Die Stadt ist die Gilde und die Gilde ist die Stadt. Dieser Spruch der Wildeshauser Schützengilde wird besonders beim traditionellen Schaffermahl mit Leben gefüllt. Am Mittwochnachmittag kam erneut eine illustre Runde im historischen Rathaussaal zusammen, um bei Hering, Bier und Pfeifentabak den gesellschaftliche Austausch zu pflegen. Der Einladung von Stadt und Gilde waren neben den Gildeoffizieren, König Jan Poppe und Schaffer Jörn Röhr auch die Abgeordneten des Stadtrates sowie Vertreter von Kirchen Behörden, Vereinen und Organisationen gefolgt.
In diesem Jahr gab es gleich mehrere Premieren. Für Jens Kuraschinski war es das erste Schaffermahl in seiner Doppelfunktion als Bürgermeister und Gildegeneral. Carsten Harings nahm erstmals als Landrat des Landkreises Oldenburg teil. Ebenso wie der 1. Kreisrat Christian Wolf und Thomas Eilers, Kämmerer der Stadt Wildeshausen und Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und in dieser Funktion auch Chef des Protokolls der Schützengilde.

Schaffer Jörn Röhr (rechts) servierte mit Unterstützung von Gildekönig Jan Poppe (links) Heringsvariationen, zur Freude von Ernst Frost, Jens Kuraschinski und Carsten Harings. Foto: msi
Schaffer Jörn Röhr (rechts) servierte mit Unterstützung von Gildekönig Jan Poppe (links) Heringsvariationen, zur Freude von Ernst Frost, Jens Kuraschinski und Carsten Harings. Foto: msi

Und auch in diesem Jahr wurde viel geredet. Doch anders als in den Vorjahren waren ausnahmslos alle Redebeiträge kurzweilig, unterhaltsam und zuweilen auch nachdenklich.
De Ohren der Zuhörer blieben von hochtrabendem Aristokratendeutsch verschont.
Jens Kuraschinski unternahm einen historischen Ausflug in die Geschichte der Gilde und des Schaffermahls. 1574 wurde erstmals ein Schaffermahl in Wildeshausen urkundlich erwähnt. Auch wenn sich das Fest im Laufe der Geschichte gewandelt hat, in den Grundzügen wird heute noch so gefeiert wie vor mehr als 400 Jahren.
Carsten Harings verstand es als Festredner in seinem humorvollen Beitrag auch einige ernste Passagen einzubringen. „Auch wenn ich in vielen Bereichen politisch unterwegs bin, so bin ich von Haus aus doch ein klassischer Beamter. Und gehöre damit zu der Gruppe, die man gemeinhin als die „Träger der Nation“ bezeichnet“, erläuterte der Landrat sein Amtsverständnis und fügte nach einer dramaturgischen Pause hinzu „Einer träger als der Andere.“

Vor dem Schaffermahl hatte sich Carsten Harings (rechts) ins Golde Buch der Stadt Wildeshausen eingetragen. Jens Kurschainski schaut ihm dabei über die Schulter. Foto: msi
Vor dem Schaffermahl hatte sich Carsten Harings (rechts) ins Golde Buch der Stadt Wildeshausen eingetragen. Jens Kurschainski schaut ihm dabei über die Schulter. Foto: msi

Den ernsteren Teil seiner Rede leitete Harings mit der Überzeugung ein „Gemeinsam sind wir stark.“ Daraus ergebe sich auch der zweite Teile seines Denken, fügte Harings hinzu „Miteinander sprechen, statt übereinander reden.“ Dieses Denken greife mittlerweile im zunehmenden Maße wieder um sich. Und das ist gut so.“
Vor allem, weil Landkreis und Kommunen vor vielen Aufgaben stehen. „Eine besondere Herausforderung für uns im Landkreis Oldenburg ist sicherlich die Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge, die zu uns kommen“, betonte Harings. Er sei sehr dankbar, dass es ein großes Engagement in der Bevölkerung gibt, sich dieser Aufgabe zu stellen und diesen Menschen zu helfen.
Zuvor hatten bereits Gildeoberst Ernst Frost und Franz Duin, ehemaliger Bürgermeister und Gildegeneral die Gäste mit humorvollen Beiträgen unterhalten.
Ernst Frost vollendete seine „Griechenland-Trilogie“, die er einst mit dem Vorschlage begonnen hatte, zur Unterstützung des finanzielle angeschlagenen Landes das Gildefest auf der Akropolis anzuhalten.
Am Mittwochabend berichtete der Oberst von einem Gespräch mit dem “Wolfgang (Schäuble d.R.)“ während eines Rückfluges von einer Geberkonferenz für Griechenland. „Wir duzen uns seit dem letzten Geburtstag bei der Uschi (Ursula von der Leyen d.R.).
Der Finanzminister habe ihm geraten ,das Gildefest gründlich zu durchleuchten und gutachterlich untersuchen zu lassen. “Hab ihr das schon mal evaluiert oder feiert ihr nur so vor euch hin? Als erfahrener Gildeoberst kam Frost jedoch zu dem Schluss, eine solche Untersuchung mit der gebotenen Ruhe und Zeit vorzunehmen.
Franz Duin hielt eine niedergermanistische Lehrstunde „Dwars dür de plattdeutsche Sprach“, also quer durchs Plattdeutsche. Landrat Carsten Harings erfuhr dabei, dass sein Name dem niederländischen entstammt. Dort ist Harings nichts anderes als der Name für den Hering. Wobei sich der Kreis beim Schaffermahl schloss und der Landrat mit den den übrigen Gästen des Schaffermahls die von den Fähnrichen und ihren Ehefrauen aufgetischt Heringsvariationen genossen.
Nach all den Premieren gab es allerdings zwei Konstanten beim diesjährigen Mahl. Das Tabakkollegium fand abermals vor den Pforten des Rathauses statt. Und das Wildeshauser Lied am Ende des Abends wurde wieder im Stehen gesungen.

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