Stiefmütter sind keine Hexen

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Susanne Petermann rückt gesellschaftliches Problem ins Licht

Von Martin Siemer

Wildeshausen/Ganderkesee. Rund 170.000 Ehen werden jeden Jahr in Deutschland geschieden. Viele der Partner gehen dann eine neue Beziehung ein, heiraten wieder. Der neue Lebenspartner wird dann nicht selten zur „Stiefmutter“ oder zum Stiefvater“. Die Kinder aus der ersten Ehre leben in der neuen Beziehung oder kommen zumindest regelmäßig zu Besuch. Manchmal funktionieren die Patchworkfamilien hervorragend. Oftmals jedoch gibt es große Probleme, mit denen Stiefmütter und Stiefväter alleingelassen werden.

Ansgar Focke lies sich von Susanne Petermann den stiefmutterblog.com vorführen. Foto: msi
Ansgar Focke lies sich von Susanne Petermann den stiefmutterblog.com vorführen. Foto: msi

Susanne Petermann (52) kennt solche Probleme. Die Journalistin, in Wildeshausen geboren und jetzt in Ganderkesee zu Hause, ist selbst Stiefmutter. Sie heiratet vor sechs Jahren ihren Mann, der drei erwachsene Kinder hat. Petermann stellte fest, das es bei Problemen kaum Hilfe und Unterstützung für Stiefmütter und Väter gibt. Vor zwei Jahren begann sie intensiv zu recherchieren, stelle den „stiefmutterblog.com“ ins Internet und hatte innerhalb kürzester Zeit 40.000 Leser. Für ihr Buch „Du hast mir gar nichts zu sagen – Stiefmutter sein ist nichts für Feiglinge“ sprach sie mit 500 Betroffenen. Und kam zu dem Schluss „Sowohl Mütter als auch Väter fühlen sich allein gelassen.“
Denn rein rechtlich dürften Stiefmütter und Stiefväter die Kinder nicht einmal vom Kindergarten abholen oder mit ihnen zum Arzt gehen.
Susanne Petermann wünscht sich, dass es für Betroffene mehr Beratungsangebote gibt.
Am Freitag traf sich Petermann mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Ansgar Focke in Wildeshausen. Focke sieht als eine Möglichkeit die Familienservicebüros, die in Niedersachsen in allen Landkreisen eingerichtet sind. „Man muss sehen, wie man Stiefeltern in das juristische Gebilde der Familie aufnimmt“, sagte Focke. Auch er weiß, von von er spricht. Sein Vater heiratete nach dem Tod der Mutter ein zweites Mal.
„Man müsste diese Beratungen in die Struktur der Familienservicebüros aufnehmen“, sagte Focke. Wobei diese Angebote nicht in jedem Büro vorgehalten werden müssten. „Man könnte erst einmal in den alten Regierungsbezirken anfangen.“
Für Susanne Petermann ist es wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Büros entsprechend geschult werden, damit sie die Probleme der Betroffenen ernst nehmen.
Ansgar Focke will jetzt im Landtag in Hannover den Versuch starten, das Thema über den Sozialausschuss ins die Politik zu bringen.
Susanne Petermann greift inzwischen zur Selbsthilfe. Am 2. Juni bietet sie über die regioVHS Ganderkesee das erste „Stiefmutterseminar“ an. Mit dem Seminar im „Alten Rathaus“ will sie Stiefmüttern den Rücken stärken, ihnen Lösungswege im Patchwork-Dschungel aufzeigen und sie fit für den Stiefmutteralltag machen.

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