Unfall mit drei Toten hat gerichtliches Nachspiel

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52- Jähriger Lkw-Fahrer erhält Freiheitsstraße auf Bewährung

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Es war ein schreckliches Bild, dass sich den Rettungskräften am 24. April 2015 bot. Auf der Autobahn A1, zwischen der Anschlussstelle Wildeshausen-West und der Rastanlage Wildeshausen Nord, war ein Lkw ungebremst in das Ende eines Staus gekracht. Drei Tote und zwei Schwerverletzte waren die traurige Bilanz dieses Unfalls, der am Dienstagmittag sein gerichtliches Nachspiel am Wildeshauser Amtsgericht fand. Angeklagt war der 52-Jährige Fahrer des Sattelzuges, der den Unfall verursachte.
Zu einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung sowie ein Fahrverbot von einem Monat lautete das Urteil in der Hauptverhandlung. Zudem muss der 52-Jährige insgesamt 15.000 Euro Schmerzensgeld an die Hinterbliebenen der drei tödliche verletzten Unfallopfer zahlen.
Schon im vergangenen Jahr hatte er über seinen Anwalt die Verantwortung für den Unfall auf sich genommen. „Das ist alles richtig, was in der Anklage steht“, wiederholte der Verteidiger zu Prozessbeginn.

Drei Tote und zwei Schwerverletzte forderte dieser Schreckliche Unfall vor einem Jahr auf der Autobahn A1 bei Wildeshausen. Der Unfallverursacher stand jetzt vor Gericht. Archivfoto: Feuerwehr/Christian Bahrs
Drei Tote und zwei Schwerverletzte forderte dieser Schreckliche Unfall vor einem Jahr auf der Autobahn A1 bei Wildeshausen. Der Unfallverursacher stand jetzt vor Gericht. Archivfoto: Feuerwehr/Christian Bahrs

Das „Warum“, wie es zu diesem Unfall kam, konnten Richterin, Staatsanwalt und Zeugen nicht klären. „Ich kann mich nicht erinnern, was ich in dem Augenblick vor dem Unfall gemacht habe. Als ich das Stauende wahrnahm, war es bereits zu spät“, erklärte der Angeklagte. Eine Einlassung, die ihm der Staatsanwalt nicht abnahm. Er schloss ein Augenblicksversagen, eine Ablenkung von Sekunden aus. „Es gab bei ihrem Fahrverhalten bereits einen Kilometer vor dem Unfall Auffälligkeiten“, hielt ihm der Ankläger vor. Ein nachfolgender Lkw-Fahrer hatte bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass das Sattelzug des Angeklagten rund 100 Meter rechts auf dem Standstreifen gefahren sei und dann unvermittelt über den Hauptfahrstreifen auf die Überholspur gewechselt sei. „Wenn man einen Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 86 Stundenkilometern zurücklegt, dann haben sie 50 Sekunden nicht nach vorne geschaut“, stellte der Staatsanwalt fest. Irgendetwas müssen den 52-Jährigen abgelenkt haben.
Weder der Lkw-Fahrer, der krankheitsbedingt nicht vor Gericht erschienen war, noch ein ebenfalls als Zeuge geladener Autofahrer hatten an dem Unfall-Lkw Warnblickleuchten oder Bremslichter bemerkt. Demnach scheint der Sattelzug nahezu ungebremst in den Stau gefahren zu sein. Der Lkw prallte auf einen VW Touran in dem ein Ehepaar saß, und schob diesen Pkw auf einen Ford Kuga, in dem vier Menschen saßen. Zwei von ihnen überlebten den Unfall nicht, ebenso der 62-Jährige Fahrer des VW-Touran. Dessen Witwe nahm als Nebenklägerin am Prozess teil. Sie selbst hatte keine Erinnerung an den Unfall. „Mein Mann verlangsamte unseren Wagen, weil der Verkehr sich staute. Kaum dass wir standen, schaute er in den Rückspiegel und sagte nur 'Oh Scheiße'“, erinnerte sich die Zeugin. Erst im Krankenhaus sei sie wieder bei vollem Bewusstsein gewesen.
Alle sechs Unfallopfer wollten gemeinsam zu einer Konfirmation nach Travemünde. Auf der Autobahn bei Wildeshausen endete die Fahrt jäh.

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