Viel Arbeit trotz weniger Verfahren

(Kommentare: 0)

Geschäftsbericht des Amtsgerichts Wildeshausen vorgelegt

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Die gute Wirtschaftslage in Deutschland und der demografische Wandel sind Gründe dafür, dass die Zahl der Verfahren am Amtsgericht Wildeshausen weiter rückläufig sind. Das bedeutet allerdings nicht, des es weniger zu tun gab. Denn die aktuelle Flüchtlingssituation hat auch das Amtsgericht erreicht und besonders im Bereich Familien- und Betreuungssachen für Mehrarbeit gesorgt. Das lässt sich dem Geschäftsbericht 2015 entnehmen, den Amtsgerichtsdirektor Dr. Detlev Lauhöfer am Donnerstagmorgen vorstellte.
Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin, Richterin Dr. Katrin von der Heide und Geschäftsleiterin Kerstin Hogeback ging Lauhöfer auf die verschiedenen Arbeitsbereiche des Amtsgerichts ein.

Heinz-Jürgen Greszik, Heinz Heinsen, Eckehard Hautau und Edgar Hanke, Vertreter für Heinsen (von rechts), sind als Schiedsleute im Amtsgerichtsbezirk tätig. Foto: Martin Siemer
Heinz-Jürgen Greszik, Heinz Heinsen, Eckehard Hautau und Edgar Hanke, Vertreter für Heinsen (von rechts), sind als Schiedsleute im Amtsgerichtsbezirk tätig. Foto: Martin Siemer

Bei den Familien- und Betreuungssachen sind 441 Neuzugänge zu verzeichnen (2014: 300). Als Grund nannte Lauhöfer unter anderem die Flüchtlingssituation. „Nicht volljährigen Menschen, die ohne Eltern nach Deutschland kommen, wird ein Vormund zur Seite gestellt“, erklärte der Amtsgerichtsdirektor. Rückläufig war dagegen die Zahl der Ehescheidungen. Wurden im Jahr 2014 noch 106 Ehen am Amtsgericht geschieden, waren es 2015 noch 82 Ehen.
Einen Rückgang verzeichnet das Gericht auch bei den Strafverfahren. „Hier merkt man den demografischen Wandel. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge fehlen uns die Testosteron geschwängerten jungen Männer“, wiederholte Lauhöfer seine Aussage vom vergangenen Jahr. Verzeichnete Strafrichterin Dr. Katrin von der Heide im vergangenen Jahr noch 236 neue Verfahren, waren es im Jahr 2015 noch 222. Damit ist das Niveau im Vergleich zum Jahr 2009 (419 Verfahren) deutlich abgesunken. 160 Verfahren entfielen auf die Strafrichterin, 18 auf das Schöffengericht, 35 auf den Jugendrichter und neun auf das Jugendschöffengericht. Die verhandelten Delikte verteilen sich auf vorsätzliche Körperverletzung, Diebstahl und Unterschlagung, Betrug und Untreue oder auf Verkehrsstraftaten. Bei den abgeschlossenen Verfahren verhängten die Richter Geldauflagen in Höhe von 17.590 Euro (2014: 16.550 Euro), die gemeinnützigen Organisationen zugewiesen wurden.
Einen leichten Rückgang gab es auch bei den Zivilprozessen. 461 neue Verfahren gingen im vergangenen Jahr am Amtsgericht Wildeshausen ein (2014: 471). Davon wurden 24,6 Prozent durch ein Urteil abgeschlossen. 16,5 Prozent endeten mit einem Vergleich, 26,6 Prozent mit einem Versäumnis, Anerkenntnis oder Verzichtsurteil und 15 Prozent durch eine Klagerücknahme.
Bemerkenswert, das es nur in zwei Verfahren um Nachbarschaftsstreitigkeiten ging. Ein Grund könnte sein, dass es im Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Wildeshausen drei Schiedsleute gibt. Eckehard Hautau (Dötlingen/Wildeshausen), Heinz Heinsen (Großenkneten) und Heinz-Jürgen Greszik (Samtgemeinde Harpstedt) waren in insgesamt 39 Fällen tätig. Dabei handelte es sich in 26 Fällen um sogenannte „Tür- und Angelgeschäfte“, bei denen oftmals das Gespräch über den Gartenzaun die Probleme aus der Welt schaffte. In 13 Fällen wurde ein Antrag auf eine bürgerlich-rechtliche Schlichtungsverhandlung gestellt. Außerdem gab es zwei erfolglose Anträge auf einen Sühneversuch.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 8 und 5.