Zeugin hat offenkundig gelogen

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24-Jähriger vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Mit einem Freispruch endete am Mittwochnachmittag die Verhandlung vor der Strafrichterin am Amtsgericht gegen einen 24-Jährigen. Der Mann war angeklagt, am Silvestertag 2015 während einer Familienfeier seine Schwester verprügelt zu haben. Dieser Vorwurf ließ sich nicht beweisen, auch weil die Schwester, die als Zeugin aussagte, widersprüchliche Angaben machte.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind offenbar familiäre Streitigkeiten wegen der Hochzeit der jungen Frau.
Schon der erste Verhandlungstag am 8. März gestaltete sich schwierig. Für die Schwester lagen drei verschiedene Geburtsdaten vor. Unter anderem eine Urkunde des syrischen Familienministerium, die am Donnerstag von einem Sachverständigen der Polizeidirektion Oldenburg nach Prüfung noch im Gerichtssaal als echt bezeichnet wurde. Die Urkunde stammte auch mit Eintragungen aus dem Familienbuch aus Syrien überein, das dem Gericht in Kopie vorlag. Danach wäre das Mädchen am 20. Januar 2002 geboren. Dieses Datum deckte sich in etwa mit einer Schätzung eines Jugendamtes, das als Geburtsdatum den 1.1.2001 festgelegt hatte. Die junge Frau selbst gab an, am 2. April 1997 geboren zu sein. In einem anderen Verfahren vor dem Amtsgericht Cloppenburg war ein anderer Bruder der jungen Frau rechtskräftig verurteilt worden, weil er ihre ihre persönlichen Dokumente weggenommen hatte.
Das Alter was deshalb von Bedeutung, weil der Angeklagte aussagte, er hätte nichts gegen die Heirat seiner Schwester gehabt. Nur halte er sie mit damals 14 Jahren für zu jung.
Die junge Frau, die als Zeugin aussagte, beschuldigte ihren Bruder hingegen, dass er die Hochzeit mit ihrem Freund verhindern wolle, weil sie einem anderen Mann versprochen sei. Von diesem hätte sich ihr Bruder Geld geliehen und sie sei sozusagen die Rückzahlung.
Während ihrer Aussage verstricke sich die junge Frau immer wieder in Widersprüche. Bei der Polizei hatte sie wenige Tage nach dem Vorfall ausgesagt, ihr Bruder hätte sie mit der Hand mehrfach ins Gesicht und an den Kopf geschlagen. Vor Gericht sagte sie jedoch, sie sei nur von einem Tritt in den Bauch getroffen worden. Schlägen hatte sie ausweichen können. Dies wiederholte sie auch auf mehrfache Nachfrage der Richterin. Sie fragte die Zeugin zudem, ob sie bei ihren Anschuldigungen bleiben will. „Haben sie sich die Sache ausgedacht, damit sie von ihren Brüdern in Ruhe gelassen werden. Haben sie sich die Körperverletzung ausgedacht?“ „Warum soll ich mir das ausdenken“, antwortete die Zeugin. Die Richterin hatte zudem den Eindruck, dass ihre Aussage mit der einer Tante abgesprochen sei. Die Tante war am ersten Verhandlungstag gehört worden und hatte nahezu das Gleiche ausgesagt.
Weiterer Zweifel an der Version der Zeugin schürte ein Auszug der Ausländerbehörde. Danach war ihr Asylantrag am 10. September 2016 rechtskräftig abgelehnt worden. Sie genießt jedoch noch bis zum 12. November 2017 Schutz in Deutschland. Damit stand der Verdacht im Raum, dass die junge Frau bei ihrem in Deutschland geborenen Freund bleiben wollte.
Nach der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt den Freispruch des Angeklagten. Dem schloss sich dessen Verteidiger natürlich an. Und auch die Richterin folgte dem Antrag mit ihrem Urteil. Zudem trägt die Staatskasse die Kosten des Verfahren und die Auslagen de Angeklagten.
In der Urteilsbegründung sagte die Richterin, dass die Hintergründe, insbesondere die Familienbeziehungen, nicht aufgeklärt werden könnten. Für sie stand jedoch fest, dass die Zeugin erst 15 Jahre alt ist und die Körperverletzung nicht so stattgefunden haben, wie sie angeklagt war. „Die Motive kennt wohl nur die Zeugin selbst“, schloss die Richterin.

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