Zum zweiten Mal Geburtstag

(Kommentare: 0)

Monika Famulla besiegt die Leukämie mit einer Stammzellenspende ihres Bruders

Wildeshausen. „Es war, als wenn einem jemand den Boden unter den Füßen wegreißt.“ Monika Famulla erinnert sich genau an jenen 26. September 2008, als sie die Nachricht erfuhr, dass sie vermutlich an Leukämie erkrankt sei. "Ich durfte sofort nicht mehr arbeiten, musste erneut zum Arzt“, blickt sie auf die ersten Tage zurück. Nach einer Woche Krankenhausaufenthalt im Johanneum wurde die heute 54-Jährige ins Klinikum Kreyenbrück nach Oldenburg verlegt. Dort erfolgten weitere, langwierige Untersuchungen.

Der Schock saß nicht nur bei Monika Famulla tief. Auch Ehemann Winfried Famulla war erschüttert. „Wir haben beide auf dem Bett gesessen und geweint“, erinnert er sich. Was wird aus uns? Was mache ich alleine? Fragen und Gedanken, die ihn in diesen Tagen bewegten. Die drei Kinder, heute 28, 26 und 22 Jahre alt, hatten ebenfalls große Sorge um ihre Mutter.

Als Monika Famulla in Oldenburg eingeliefert wurde, musste sie sämtlich Kleidung ablegen, bekam Krankenhauskleidung. „Alles nur, damit man von außen keine Keime einschleppt“, berichtet sie. Denn die Infektionsgefahr ist immens. Auch Winfried Famulla durfte nur in absolut steriler Kleidung zu seiner Frau.

Auf eine erste Chemotherapie folgte eine zweite, beide ohne Erfolg. Einziger Ausweg war eine Stammzellenspende. „Ich wurde gleich gefragt, ob ich Geschwister habe“, sagt Monika Famulla. Und die hat sie, zwei Brüder und drei Schwestern. Bei Geschwistern ist die Wahrscheinlichkeit einer Spendefähigkeit durch das ähnliche Erbgut relativ hoch. Gleich drei ihrer Brüder und Schwestern kamen als Spender in Frage. Bruder Helmut Niester zögerte, wie auch die anderen möglichen Familienmitglieder, nicht einen Moment.

„Meine Schwester Petra Bothe hat das alles organisiert, ist mit meinen Geschwistern auch immer nach Oldenburg gefahren.“ Denn eine Stammzellentherapie ist aufwendig. Monika Famulla musste sich einer dritten Chemotherapie unterziehen. Dabei wird ihr gesamtes Immunsystem auf Null heruntergefahren. Auch ihr Bruder wurde medikamentös behandelt. „Er bekam Spritzen, damit sein Körper Abwehrstoffe bildet“, berichtet Monika Famulla.

Am 10. Dezember 2008 wurden ihrem Bruder dann die Stammzellen entnommen. Ähnlich einer Dialyse wird dem Patienten dabei an einem Arm das Blut entnommen. Über spezielle Geräteschaften werden die Stammzellen herausgefiltert. Das Blut fließt dann über den anderen Arm in den Körper des Spender zurück. Eine Tag später, am 11. Dezember, bekam Monika Famulla die Stammzellen. Davor lag sie zehn Tage völlig isoliert in einem Zimmer. Durch die letzte Chemotherapie war ihr Körper anfällig für jede kleinste Infektion.

Nach ihrer Entlassung musste sie jeden persönlichen Kontakt meiden um Ansteckungen zu verhindern. “Viele reagierten mit Unverständnis, wenn ich ihnen nicht die Hand gegeben habe.“ Sie durfte nur geschältes Obst essen, Lebensmittel, die älter als 24 Stunden waren, musste sie wegwerfen. „Alles nur, um Keime zu verhindern“, schildert sie die damalige Zeit.

Zwei Jahre dauerte es, bis sie alle notwendigen Impfungen wiederholt hatte. „Es war wie bei kleinen Kindern, gegen Masern und Mumps wurde ich geimpft.“ In dieser Zeit merkte sie auch, wer echte Freunde waren. Heute, sechs Jahre später, gilt Monika Famulla als geheilt. Zwar muss sie noch zwei Mal im Jahr zur Untersuchung und ist auch nicht mehr so leistungsfähig wie vorher. Doch sie hat ihre Lebensfreude wiedergefunden. „Ich lebe heute bewusster, gönne mir mehr“, sagt sie. Und im Gegensatz zu früher, wo es oftmals viel Stress gab, sagt sie heute auch mal „Nein!“.

Ehemann Winfried Famulla ließ sich übrigens nach der Erkrankung seiner Ehefrau bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei “DKMS“ als möglicher Stammzellenspender registrieren.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 9.