Zur Hochzeit platt gelernt

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Düngstruperin Gisela Ahlers feiert heute ihren 95. Geburtstag

Von Martin Siemer

Düngstrup. „Deern, wenn du upn Hoff befriehst, musst du Plattdüütsch können.“ An diesen Ausspruch eines Onkels vor ihrer Hochzeit erinnert sich Gisela Ahlers auch noch heute noch. Dabei hatte sie schon längst Plattdeutsch gelernt. Am Donnerstag, 15. Oktober feiert sie ihren 95. Geburtstag, im Kreis ihrer Familie. Hinter Gisela Ahlers, die mit Geburtsnamen Frahne heißt, liegt ein bewegtes Lebens, dass 1920 auf dem elterlichen Gutshof in Neustüdnitz / Hinterpommern im heutigen Polen begann.

Gisela Ahlers blickt an ihrem 95. Geburtstag auf ein bewegtes Leben zurück. Foto: Martin Siemer
Gisela Ahlers blickt an ihrem 95. Geburtstag auf ein bewegtes Leben zurück. Foto: Martin Siemer

Als älteste von sechs Geschwistern besuchte die die einklassige Dorfschule in ihrem Geburtsort. Es folgte ein Lehramtsstudium als Hauswirtschaftslehrerin in Greifswald und eine spätere Weiterbildung zur Volksschullehrerin. Später unterrichtet Gisela Ahlers selbst an der Grundschule, die sie als Kind besuchte. Einer der Schüler war ihr jüngster Bruder.
In den Wirren des Zweiten Weltkriegs machte sich Gisela Ahlers im Januar 1945 auf den Weg in den Westen, ihre Familie folgte ihr.
Ein Fluchttagebuch, das ihr Vater akribisch führte, erinnert sie noch heute an die Zeit der Flucht. Auch das Geschehen in der heutigen Welt lässt dieser Erinnerungen wieder aufleben. Ihre persönlichen Erfahrungen ließ sie in ihre Ansprachen zu den Volkstrauertagen und zum 50. Jahrestag des Kriegsendes einfließen.
Nach dem Kriegsende kommt die Familie zunächst in Aumühle zusammen. Gisela Ahlers unterrichtet zunächst in Oberlethe und wechselt dann von 1946 bis 1948 an die Volksschule in Holzhausen, wo zwei Klassen unterrichtet werden.
Beim Sport lernte sie ihren späteren Ehemann Gerhard Ahlers kennen. 1948 wird geheiratet, seitdem lebt Gisela Ahlers auf dem Hof in Düngstrup. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Dennoch arbeitet sie aktiv auf dem Hof mit, machte 1959 die Meisterprüfung der ländlichen Hauswirtschaft. In den folgenden Jahren bildete sie viele Lehrlinge aus.
1971 zog es sie jedoch wieder in den Schuldienst. Zunächst arbeitete sie an der Hauptschule, später an der Orientierungsstufe in Wildeshausen. 1984 musste sie altersbedingt den Schuldienst quittieren. “Damals ging man noch mit 63 in Pension“, erinnert sie sich.
Neben Familie, Kindererziehung und Arbeit auf dem Hof in Düngstrup fand Gisela Ahlers immer auch Zeit für Heimatpflege und verschiedene Ehrenämter. Vor fast 65 Jahren war sie Gründungsmitglied des Landfrauenverein, dessen Vorsitzende sie von 1966 bis 1991 war. Mit Engagement, Freude und vielen Ideen prägte sie den Verein.
Ebenso aktiv war sie im Heimatverein, stand 25 Jahr für die Speelkoppel auf der Bühne, war mit der Wandergruppe unterwegs und drehte in der Volkstanzgruppe ihre Runden.
Nach der Silberhochzeit fanden Gisela und Gerhard Ahlers endlich auch die Zeit für größere gemeinsame Urlaubsreisen. Ein häufige Ziel war Dorf Tirol, wo sich die Familie manches mal mit mehr als zehn Mitgliedern traf. Auch nach dem Tod von Gerhard Ahlers 2003 blieb dieses Ziel bis 2014 ein Höhepunkt in jedem Jahr.
Der Hof in Düngstrup war und ist immer ein offenes Haus für die riesengroße Familie, für Freunde und Bekannte. „Wenn Kinder, Enkel und Urenkel kommen, sind wir über 40 Personen“, rechnet Tochter Karin von Elbwart zusammen. 16 Enkelkinder und siebe Urenkel sind dabei. Möglicherweise kommt rechtzeitig zum Geburtstag das achte Urenkelkind.
Das bewegte Leben von Gisela Ahlers wurde besonders durch ihre positive Lebenseinstellung und ihren Familiensinn geprägt. Heute ist sie fest verwurzelt auf dem Hof, im Dorf Düngstrup und in Wildeshausen.

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