Engagement und Vielfalt ausgezeichnet

(Kommentare: 0)

Landkreis Oldenburg vergibt erstmals den Inklusionspreis

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Es sollte selbstverständlich sein, das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen. Und doch gibt es im Alltag immer wieder Missverständnisse und Hürden, die dieses Zusammenleben erschweren. Im Landkreis Oldenburg ist man seit Jahren auf dem Weg, diese Hürden und Barrieren abzubauen. Viele ehrenamtliche und hauptamtliche Akteure sind daran beteiligt. Als äußeres Zeichen dieser intensiven und mittlerweile erfolgreichen Arbeit vergab der Landkreis Oldenburg am Freitagabend erstmals den mit insgesamt 1.000 Euro dotierten Inklusionspreis. Aus den insgesamt 20 eingegangenen Bewerbungen hatte das Auswahlgremium drei Preisträger ausgewählt, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Inklusion kommen.

Die Preisträger des ersten Inklusionspreises, Laudatoren und Landkreisvertreter: Gerrit Meyer, Hilko Finke, Wolfgang Sasse, Sibylle Gimon, Silke Winkler, Henrike, Carsten Harings, Gabi Arians, Rita Rockel und Ernst-Dieter Hoffhenke (von links).
Die Preisträger des ersten Inklusionspreises, Laudatoren und Landkreisvertreter: Gerrit Meyer, Hilko Finke, Wolfgang Sasse, Sibylle Gimon, Silke Winkler, Henrike, Carsten Harings, Gabi Arians, Rita Rockel und Ernst-Dieter Hoffhenke (von links). Foto: Mart

„Unsere Vision ist ein gleichberechtigtes Miteinander der Menschen mit und ohne Behinderungen“, betonte Rita Rockel, Behindertenbeauftragte des Landkreises Oldenburg. Der Preis werde symbolisch für alle Projekte vergeben, die sich im Landkreis mit der Inklusion befassen und diese mit Leben erfüllen.
So wie die Kontaktgruppe für Behinderte und Nichtbehinderte aus Brettorf. Sie wurde 1981 gegründet und veranstaltet seit 1985 jährlich ein großes Sportfest, dass sich mittlerweile etabliert hat. Julia Kloes, Inge Ellinghusen und der inzwischen verstorbene Ernst-August Krumland hatten die Kontaktgruppe seinerzeit ins Leben gerufen. „Und das damals zu einem Zeitpunkt, als von Inklusion noch niemand gesprochen hat“, sagte Laudator Wolfgang Sasse.
Inzwischen ist die Kontaktgruppe Bestandteil des TV Brettorf, bei dem auch sonst viel für das Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen getan wird.
Ebenso wie beim Chor „OL-Inklusive“, der am Freitag gleich in doppelter Funktion an der Preisverleihung beteiligt war. Zum einen unterhielten die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Sibylle Gimon die Gäste der Feierstunde. Zum anderen wurde Gimon, stellvertretend für den Chor, ebenfalls mit dem Inklusionspreis des Landkreises ausgezeichnet. 2011 hatte Sibylle Gimon einen offenen Singkreis gegründet, aus dem der heutige Chor „OL-Inklusive“ hervorging. 14 Sängerinnen und Sänger, mit und ohne Handicap, singen seit dem alle 14 Tage montags im Deutschen Haus in Kirchhatten und haben bei unzähligen Konzerten Menschen in der gesamte Region unterhalten. Der Lebensmut und die Lebensfreude spiegeln sich auch in den Liedern wieder, die Sibylle Gimon selbst komponiert und textet. „Bunt soll mein Leben sein“ oder „Jedem gelingt was“ lauten die Titel. „Mit ihren Liedern gelingt es ihr, dass Menschen sich öffnen“, berichtete Silke Winkler, die die Laudatio auf Sibylle Gimon und den Chor hielt.
Das auch Menschen mit einer Behindert beruflich etwas gelingen kann, zeigt das Beispiel von Henrike. Die mit einem Dow Syndrom geborene junge Frau wünschte sich schon als Kind, einmal in einer Kindertageseinrichtung zu arbeiten. Das Schicksal führte sie mit Gabi Arians, Leiterin der Kindertagesstätte „Alte Dorfschule“ in Hatterwüsting, zusammen. Arians war von Henrike so begeistert, dass sie ihr ein Praktikum in der Kita ermöglichte. „Und es kann daraus auch ein Arbeitsplatz werden. Das ist Inklusion im Kleinen“, sagte Laudator Hilko Finke.
„Jedem einzelnen Menschen sollte mit Respekt und Toleranz begegnet werden, mit allen Stärken und Schwächen“, betonte Landrat Carsten Harings, der die Feierstunde eröffnete,
Ernst-Dieter Hoffhenke, Sprecher des Kreisbehindertenrates, kündigte an, dass eine Broschüre geplant ist, in der sich alle Projekte, die sich für den Inklusionsprozess beworben hatten, wiederfinden werden, samt Ansprechpartnern und Kontaktadressen.

Zurück

Einen Kommentar schreiben