Anklage gegen ehemaligen Krankenpfleger

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37-Jähriger soll Patienten aus Langeweile riskante Medikamente gespritzt haben

Oldenburg / Delmenhorst. Es ist unglaublich, was die Staatsanwaltschaft Oldenburg einem 37-jährigen ehemaligen Krankenpfleger vorwirft. Der Mann soll zwischen März 2003 und Juni 2005 auf der Intensivstation im Klinikum Delmenhorst in fünf Fällen ohne entsprechende medizinische Indikation Patienten ein Medikament mit dem Wirkstoff Ajmalin injiziert haben. Das Medikament löst Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern und Blutdruckabfall aus.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 37-Jährigen Anklage beim Landgericht Oldenburg erhoben. Der Angeschuldigte ist bereits am 23. Juni 2008 aufgrund eines vergleichbaren Tatvorwurfs durch das Landgericht Oldenburg wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt worden, die er gegenwärtig verbüßt.

Das Tatmotiv des Angeschuldigten soll der Wunsch gewesen sein, seine Fähigkeiten im Bereich der Reanimation präsentieren zu können. Außerdem habe er durch die Notsituationen seine Langeweile bekämpfen wollen. Dabei habe er das Misslingen der Reanimationen und den Tod der Patienten billigend in Kauf genommen haben. In drei der fünf zur Anklage gebrachten Fälle soll sein Handeln zum Tod der Patienten geführt haben. In den zwei weiteren Fällen wird ihm ein entsprechender Versuch zur Last gelegt.

Die Staatsanwaltschaft bekam aufgrund der Berichterstattung über das damalige Verfahren Hinweise auf mögliche weitere Taten des Angeschuldigten. Es schlossen sich umfangreiche Untersuchungen an, insbesondere die Exhumierung und anschließende Obduktion von acht während der Dienstzeit des Angeschuldigten verstorbenen Patienten. Bei fünf Verstorbenen wurde ebenfalls der Wirkstoff Ajmalin nachgewiesen, obwohl sie nicht mit einem entsprechenden Medikament behandelt wurden.

Der Angeschuldigte soll seine Verantwortlichkeit für diese Taten in Gesprächen mit Mitgefangenen eingeräumt haben. Gegenüber den Ermittlungsbehörden hat er die Vorwürfe bestritten. Das Landgericht Oldenburg hat über die Eröffnung des Hauptverfahrens noch nicht Entscheiden. Im Falle einer der Anklage entsprechenden Verurteilung droht dem Angeschuldigten neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe auch die Anordnung von Sicherungsverwahrung.

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