„Se geiht wedder“

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Am Sonnabend war wieder Hunteeisschollenwette

Wildeshausen. Was die Bremer können, können die Wildeshauser schon lange. Am gestrigen Sonnabend versammelten sich Punkt 20 Uhr wieder zwölf dunkel gekleidete Herren an der Landkrone. Dort prüfen sie mit einem Eisblock, ob die Hunte „steiht“, also zugefroren ist, oder „geiht“, der Fluss also eisfrei ist. Mit einem lauten „Platsch“ versank der mitgebrachte große Eisblock in den Fluten, den Richard Hakemann über das Ufergeländer gewuchtet hatte.

Zuvor hatte Wilhelm Meyer, amtierender Protokollchef der „Hunteeisschollenwette“, die Hunteeisschollenwettmitglieder mit einem fröhlichen „Gut Scholle“ begrüßt. Ein besonderer Gruß galt Gerhard Lübben, letztes noch lebendes Gründungsmitglied.

„Nach dem Krieg war es Tradition, dass wir Zwischenbrücker im Reitersaal im Hannoverschen Hof einen Rosenmontagsball feierten“, erinnerte sich Lübben. 1962 wurde der Ball wegen der Sturmflutkatastrophe in Hamburg und der deutschen Nordseeküste abgesagt. Einige junge Leute kamen aber dennoch in den Saal, allerdings ohne groß zu feiern. Dabei entstand die Eisschollenwette. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Lübben noch Edu Hakemann, E. A. Walsemann, Johann Kolloge, Adolf Meyer und Harald Wulferding.

In einem „Wettvertrag“ verabredeten die Sechs, dass im darauffolgenden Jahr am 11. Januar geprüft werden solle, ob Eisschollen auf der Hunte schwimmen. Die Verlierer mussten die Gewinner zu einem halben Hähnchen, Brötchen und reichlich flüssiger Nahrung einladen.

Dieses Prozedere hat die vergangenen mehr als 50 Jahre überdauert. Statt sechs gibt es heute jedoch zwölf Mitwetter. Und auch dürfen diese heute aus der gesamten Stadt Wildeshausen kommen. Zu Gründungszeiten war das Privileg ausschließlich Zwischenbrückern oder „Pielepoggen, wie die Stadtteilbewohner auch genannt werden, vorbehalten.

Für die Verpflegung der Wettgesellschaft ist nach wie vor Gerhard Lübben zuständig. Er versorgt die Herren an der Landskrone mit Käsehäppchen und Korn. Denn Lübben führte lange ein Milchgeschäft in Zwischenbrücken.

Damit die Chancen auf die richtige Vorhersage möglichst gerecht verteilt sind, ziehen die zwölf Mitglieder jeweils im Vorjahr versiegelte Lose, auf denen die Vorhersage festgeschrieben ist. Am 11. Januar des Folgejahres wird dann an der Landskrone mit einem Eisblock geprüft, ob die Hunte „geiht“ oder „steiht“. Anschließend geht’s es in Restaurant Wolters, wo die Loszettel geöffnet werden.

13 Mal war in den vergangenen fünf Jahrzehnten die Hunte zugefroren. 1997 wagte sich Edu Hakemann sogar aufs Eis. Einmal wurde beim Eisgang ein wenig nachgeholfen. „Friedrich Twisterling, der Turbinenwart des Elektrizitätswerks am Huntestau, hat an der Brücke im Burgberg Eis in den Fluss geworfen, dass er sich aus den Kellern der Firma Nordmann holte. „Bei 8 Grad Außentemperatur stellten die damaligen Wetter fest, dass die Hunte Eis führte“, erzählte Meyer.

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