Widerstand bei Straßenausbau

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Straßenneubauprogramm sorgt bei Anwohnern aufgrund erheblicher Kosten durch späten Ausbau für Verdruss

Voon Martin Siemer

Wildeshausen. Wer heute in der Kreisstadt ein Grundstück kauft, um darauf sein Eigenheim zu errichten, der zahlt in der Regel mit dem Kaufpreis auch die Erschließungskosten. Das war nicht immer so. Und so gibt es in Wildeshausen nicht wenige Straßenzüge, bei denen die Zufahrtsstraßen noch immer nicht endgültig ausgebaut sind. Die Stadt nimmt diesen Ausbau jetzt sukzessive vor. Der Rat der Stadt hat dazu eine Liste verabschiedet, auf der insgesamt 20 Straßen verzeichnet sind. Bei einigen wird ein Straßenausbau festgelegt, bei anderen kein Ausbau. Wieder andere wurden in das Straßeninstandsetzungsprogramm aufgenommen. Das bedeutet, dass nur der Asphaltaufbau erneuert wird.

Zum Instandsetzungsprogramm gehörten ursprünglich auch der Ochsenbergweg und der Bauernmarschweg. Inzwischen hat der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss jedoch entschieden, dass beide Straßen in das Straßenneubauprogramm aufgenommen werden und der erstmalige Endausbau hergestellt wird. Auch die Benzstraße, die Uhlandstraße und die Straße An der Flachsbäke finden sich in diesem Programm. Damit kommen auf die Anlieger erhebliche Kosten zu. Denn die Stadt kann die Investitionssummen zu 90 Prozent auf die Anlieger umlegen. So sehen es die entsprechenden gesetzlichen Regelungen vor.

Bei vielen Bürgern stellte sich deshalb ein Gefühl der Ungerechtigkeit ein. Denn teilweise sind die Straßen bereits mehrere Jahrzehnte alt. Wären sie zu einem früheren Zeitpunkt ausgebaut worden, wären die Kosten deutlich geringer gewesen.

Fehlende Bürgersteige

Und noch ein anderer Umstand fördert dieses Ungerechtigkeitsgefühl. Fährt man durch die Zeppelinstraße, sieht man links und rechts keine Bürgersteige. Vielmehr gibt es ein Hochbord, das die Straße begrenzt. Die Seitenanlagen bestehen jedoch aus einer Mischung von Grünstreifen, privat gepflasterten Grundstückszufahrten und Schotterflächen. Wer hier mit einem Rollator, einem Rollstuhl oder auch nur mit einem Kinderwagen entlang möchte, der muss notgedrungen auf der Straße gehen. Was nicht ungefährlich ist, denn die Zeppelinstraße ist relativ viel befahren, ist sie doch eine der Zufahrtsstraßen zu den Wohngebieten zwischen Ahlhorner Straße und Visbeker Straße. Während alle anderen Straßen in diesem Bereich vollständig ausgebaut sind, hatten sich die Anwohner der Zeppelinstraße seinerzeit gegen die Anlage von Bürgersteigen ausgesprochen.

 

Bürgersteige sind an der Zeppelinstraße nicht vorhanden. Alle, die hier zu Fuß entlang wollen, müssen also über die Fahrbahn gehen. Das gilt auch für ältere Menschen mit Rollator oder Familien mit Kinderwagen. FOTO: MARTIN SIEMER
Bürgersteige sind an der Zeppelinstraße nicht vorhanden. Alle, die hier zu Fuß entlang wollen, müssen also über die Fahrbahn gehen. Das gilt auch für ältere Menschen mit Rollator oder Familien mit Kinderwagen. FOTO: MARTIN SIEMER

Einer, der an der Zeppelinstraße wohnt, ist Hartmut Frerichs. Der Kommunalpolitiker sitzt für die SPD im Stadtrat und ist Vorsitzender des Ausschusses für Stadtplanung, Bau und Umwelt. „Als die Straße damals ausgebaut wurde, habe ich hier noch nicht gewohnt. Aber das Haus, in dem ich jetzt wohne, steht auf dem Grundstück meiner Eltern“, erklärt Frerichs auf Nachfrage unserer Zeitung. Damals seien die Kanalanschlüsse, die Straßenbeleuchtung sowie das Hochbord angelegt worden. Dafür hätten die Anlieger auch entsprechende Beiträge gezahlt. Frerichs sieht deshalb auch die immer wieder aufflammenden Vorwürfe, er hätte durch den nur teilweisen Ausbau Vorteile gehabt, ganz gelassen.

Die Stadtverwaltung muss sich allerdings fragen lassen, warum sie damals nicht den vollständigen Ausbau der Zeppelinstraße forciert hat. Denn immerhin obliegt ihr die Verkehrssicherungspflicht, da es eine Gemeindestraße ist.

Das Thema Sicherheit spielt offenbar auch bei den geplanten Straßenneubauprojekten eine Rolle. Denn obwohl die Straßen teils bereits mehrere Jahrzehnte alt sind, sollen sie komplett aufgerissen und neu aufgebaut werden. Für Ingenieure ist offenbar der alte, oftmals dünne Straßenunterbau nicht ausreichend genug.

Dass es auch anders geht, zeigt die Gemeinde Rednitzhembach im mittelfränkischen Landkreis Roth. Die Gemeinde wurde bereits 2011 vom Bundesverkehrsministerium für „Erfolgskonzepte in der kommunalen Straßenerhaltung“ ausgezeichnet. Bei den dortigen Sanierungsarbeiten wird lediglich die bestehende Asphaltdecke abgetragen und neuer Asphaltbelag aufgebracht. Auf eine Auskofferung der Straße wurde verzichtet, da man davon ausgeht, dass der Untergrund nach der jahrelangen Nutzung der Straße extrem verdichtet ist und es keine Setzungen mehr geben dürfte. Die Bürger werden hierbei nicht mit Kosten belastet. Sie müssten nur dann zahlen, sofern sie zum Beispiel einen Bürgersteig haben möchten.

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