Zwölf weitere Bewohner mit COVID-19 infiziert

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Seniorenresidenz in Wildeshausen wird teilweise evakuiert

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Die COVID-19 Infektion in der Seniorenresidenz Atrium am Wall nimmt immer größere Ausmaße an. Der Landkreis Oldenburg hat am Donnerstagmorgen entschieden, die Einrichtung teilweise zu evakuieren. Die noch nicht mit dem Virus infizierten Bewohner werden in das neue Gästehaus des Berufsförderungswerkes Weser-Ems (BfW) in Bookholzberg verlegt.

Grund ist eine erneute Kontrolle des Infektions-Status der Bewohner am Mittwoch, 1. April. Dabei wurde von allen, bislang negativ getesteten Bewohnerinnen und Bewohner ein erneuter Testabstrich genommen. „Die Proben wurden per Eilboten in ein Speziallabor, dass sehr schnelle und damit kostenintensive Analysen erstellt, gefahren. Das Testergebnis ist ernüchternd. Von 26 getesteten Bewohnern sind zwölf positiv getestet“, teilte der Landkreis am Dienstagmittag in einer Presseerklärung mit.

Diese zwölf Bewohnerinnen und Bewohner verbleiben in der Seniorenresidenz in Wildeshausen. Die 14 negativ getesteten Personen werden jetzt nach Bookholzberg verlegt. Hinzu kommt ein Bewohner, der einen längeren Krankenhaus-Aufenthalt verbracht hat. Er befand sich vor dem Ausbruch der COVID-19 Infektionen schon nicht mehr in der Einrichtung. Nach dem die Probeergebnisse vorlagen, informierte der Landkreis umgehend die Angehörigen und leitete die sofortige Verlegung in die Wege. Die Transporte von Wildeshausen nach Bookholzberg erfolgen per Bus und für Liegend-Transporte mit Unterstützung der Rettungsdienste. Im BfW werden die Senioren weiter unter Quarantäne gestellt und in Einzelzimmern untergebracht. Die Pflege der Bewohner wird zunächst von negativ getestete Pflegekräfte der Seniorenresidenz übernommen. „Alle Vorkehrungen für eine umfängliche Pflege wurden getroffen“, betont der Landkreis.

Die Seniorenresidenz Atrium am Wall in Wildeshausen wird teilweise evakuiert. Foto: Martin Siemer

Die hohe Zahl neuer Infektionen kann unter anderem darauf hindeuten, dass die nun getesteten Personen bereits am Freitag oder Samstag infiziert waren, sich aber noch in der zwei bis 14-tägigen Inkubationszeit befanden. Möglicherweise konnten sie deshalb noch nicht als infiziert herausgefiltert werden. Die übliche Inkubationszeit beträgt im Mittel fünf Tage. „Aus diesem Grund hat die Kreisverwaltung genau am 5. Tag (Zeitraum Samstag bis Mittwoch) nachgetestet“, heißt es in der Pressemitteilung.

Es muss nach Möglichkeit vermieden werden, dass das Virus mit transportiert wird, heißt es weiter. Um verbleibende Restrisiken, die leider beim Infektionsgeschehen nicht zu vermeiden sind, auszuschließen, wird am Freitag erneut nachgetestet. Von 20 getesteten Mitarbeitern sind sieben Mitarbeiter positiv und dreizehn negativ getestet. Von acht weiteren Mitarbeitenden, die am Montag nicht angetroffen wurden, nahm man am Dienstag Abstriche.

„Die Kreisverwaltung sieht keine Alternative zu dieser sehr harten Entscheidung der Verlegung. Absolute Dringlichkeit hat aber der Schutz und die Gesundheit aller Beteiligten Die Vorgaben und Auflagen waren klar definiert gewesen. Bei 100-prozentiger Umsetzung wären sie auch sicher gewesen. Aber es darf nicht ein Prozent fehlen.“

Mehrfach hatte die Verwaltung deutlich über die verhängten Maßnahmen wie Kohorten-Trennung, Quarantäne für alle Bewohner und Mitarbeiter oder auch Schutzkleidung informiert. Bei einer erneuten Kontrolle zur Einhaltung der verhängten Maßnahmen stellte die Kreisverwaltung fest, dass diese nicht zu 100 Prozent umgesetzt wurden und entschied sich für die Teil-Evakuierung.

„Wir sehen uns gezwungen so zu handeln. Die Vorgaben wurden durch die Einrichtung nicht umfänglich eingehalten. Das kann unser Gesundheitsamt so nicht mehr verantworten. Unsere Verantwortung ist es, alle Bewohner zu schützen“, erklärte Landrat Carsten Harings. Thomas Münch, Geschäftsführer der Senioreneinrichtung, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auf eine Anfrage per E-Mail wurde am Donnerstagnachmittage eine Presseerklärung angekündigt. Nach Informationen von die-hunte.de wurde der derzeitige Leiter der Einrichtung von der Geschäftsleitung von seinen Aufgaben entbunden. Ihm werden offenbar die Verfehlungen angelastet.

Für den Landkreis hat der Schutz der negativ getesteten Personen weiterhin hohe Priorität. Harings und bittet insbesondere bei den Bewohnern und deren Angehörige um Verständnis für diese einschneidende aber notwendige Verlegung. „Es wird alles getan, damit sich die verlegten Bewohner in Bookholzberg den Umständen entsprechend wohlfühlen. Den positiv getesteten Bewohnern und Mitarbeitern wünsche ich weiter einen milden Verlauf der Infektion und schnelle Genesung.“

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